Es ist mysteriös: Hier und da tauchen aus dem Nichts hölzerne Schachfiguren auf. Mal ein Pferd, mal ein Läufer. Doch woher kommen sie? Und stehen sie im Zusammenhang mit Morden an einem Pfarrer und einem Touristen – der eine mit einem Kreuz erschlagen, der andere mit einem Schwert getötet?
Das Team der ZDF-Reihe «Die Toten vom Bodensee» ermittelt in seiner neuen Folge «Im Schattenreich» in einem ehemaligen Kinderheim für Schwer-Erziehbare (7. September um 20.15 Uhr im ZDF; ab 31.8. schon im Streaming-Portal). Heute liegt der «Sonnenhof Bregenz» verlassen im Wald, ein sogenannter Lost Place.
Kommissar Micha Oberländer (Matthias Koeberlin) macht sich mit einer Taschenlampe auf den Weg durch die Stockwerke. Findet ein Bett mit Fesseln daran. Und Kombinationen aus Zahlen und Buchstaben an der Wand.
«Die Toten vom Bodensee» sind seit 2014 Garant für hohe Marktanteile von 20 bis 30 Prozent. Laut dem Sender schalteten in einem kleiner werdenden Fernsehmarkt bei den Erstausstrahlungen der ersten 24 Episoden 6,4 bis 8,2 Millionen Menschen ein. Auch im ZDF-Streaming-Portal erzielen die Abrufvideos der Krimireihe laut einer Sprecherin eine konstant hohe Nutzung.
So mystisch wie sonst oft ist die 25. Folge nicht. Es geht nicht um okkulte Rituale oder dergleichen. Das eigentliche Motiv des Serienmörders ist recht irdisch und könnte auch in anderen Krimi-Formaten vorkommen.
Besonders ist aber, dass Oberländer niedergestochen wird, ins Krankenhaus kommt – und im Koma gewissermaßen weiterermittelt: Die Szenerie taucht in rötlich getünchtes Licht. Der Kommissar findet sich plötzlich im Kinderheim wieder. Dort sitzt ein Jugendlicher an einem Tisch. Und spielt Schach.
Er selbst sei kein Schachspieler, sagte Darsteller Koeberlin der Deutschen Presse-Agentur. «Ich verstehe das auch nur rudimentär.»
Herausfordernder waren für den 52-Jährigen Szenen unter Wasser, gedreht einen Tag lang in einer Tauchschule in Wien. «Da weiß man abends, was man gemacht hat», sagte Koeberlin. Er brauche zwar nicht unbedingt solch körperlich anspruchsvolle Szenen. «So eitel bin ich nicht», sagte er. «Aber wenn ich das Gefühl habe, es dient der Geschichte, dann mache ich es auch.»
Auf ganz andere Weise anstrengend seien die Dreharbeiten für die Krankenhaus-Szenen gewesen. «Die Kollegen haben vorher geneckt, dass ich zwei Wochen nur im Bett liege», berichtete der Schauspieler vom Set. «Ich habe dann gemerkt: Das ist durchaus fordernd.»
Während Oberländer im Koma liegt, gehen Kollegin Mara Eisler (Anna Werner Friedmann) und der Teamchef, Kriminalchefinspektor Thomas Komlatschek (Hary Prinz) ganz unterschiedlich mit der Situation um, giften sich sogar gegenseitig an. Doch beide suchen auch das Gespräch mit dem Patienten.
«Sie können mich doch nicht allein lassen mit der Eisler», sagt Komlatschek, als er unbeobachtet ist. Die wiederum rückt irgendwann mit Ermittlungsakten an und verkündet Oberländer am Krankenbett: «Ich dachte, ich informier‘ Sie mal über den Stand der Dinge. Sie haben ja eh gerade nichts Besseres zu tun.»
Für das im Hier und Jetzt verbliebene Ermittler-Team wird klar, dass der Täter seine Opfer nicht nur töten wollte. Er wollte sie quälen. Auch tauchen weitere Fragen auf – so hatte der ermordete Tourist vor seinem Tod für die Trauerfeier zum Gedenken an den Pfarrer noch einen Kranz aufstellen lassen.
Oberländer ist in seinen Ermittlungen in der Art Paralleluniversum den Kollegen einen Schritt voraus. Er kommt irgendwann dahinter, dass der Mörder noch mindestens ein weiteres Opfer im Visier haben muss – und schreit das förmlich heraus. Nur: Die Kommunikation mit der Außenwelt ist schier unmöglich.
Koeberlin erzählte, er habe der Produktion vorgeschlagen, mal den einen oder anderen Fall etwas anders zu erzählen und neue Ausdrucksformen zu finden. «Das wurde hier umgesetzt.» Die Ideen für die «klassischen» Fälle des deutsch-österreichischen Teams seien aber nicht ausgegangen, versicherte der Schauspieler. «Wir haben dieses Jahr wieder drei Filme gedreht.»
Auch wenn Oberländers komatöser Zustand zeitweise ein wenig so anmutet, als müsste sich das Publikum auf einen Abschied von der Rolle einstellen – davon ist laut Koeberlin noch lange keine Rede. «Wenn ich für mich das Gefühl habe, eine Sache ist erzählt, der Kreis schließt sich, höre ich damit auf», sagte er. «Aber ich habe das Gefühl, ich kann noch ein paar Runden drehen.»
Quelle: dpa