Woher kommt das Trinkwasser in Bayreuth und der Region?

23. März 2025 , 16:03 Uhr

Woher kommt eigentlich unser Trinkwasser in Bayreuth und der Region? Jetzt im Wassermonat März klären die Stadtwerke Bayreuth darüber auf. 24 Prozent werden über Tiefbrunnen gefördert.​ Die gibt es zum Beispiel rund um Seybothenreuth, in der Bayreuther Altstadt und in Lehen. Über 50 Prozent bezieht die Region vom Zweckverband Fernwasserversorgung Oberfranken und 23 Prozent kommen aus dem Fichtelgebirge. Und das, weil Bayreuth vor 120 Jahren auf dem Trockenen saß. Erzählt Oliver Becker von den Stadtwerken Bayreuth:

Anfang des 20. Jahrhunderts war das Wasser in Bayreuth sehr knapp. Dann war man auf der Suche nach neuen Gewinnungsfeldern, wo man denn Wasser herbekommen kann. Es ergab sich, dass hier an den Hängen des Ochsenkopfes gute Bedingungen waren. Deshalb wurden hier Quellfassungen gebaut und es wurde auch in seiner ersten Form das Wasserwerk hier errichtet und gleichzeitig auch eine Fernleitung nach Bayreuth, die über 27 Kilometer das Wasser dorthin transportiert.

40 Liter pro Sekunde fließen vom Ochsenkopf in Richtung Bayreuth.

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Mehr Infos von den Stadtwerken:

Vor über 100 Jahren saß Bayreuth zeitweise auf dem Trockenen. Die Lösung fand sich am Südhang des Ochsenkopfs im Fichtelgebirge. Heute fließen von dort jährlich 1,2 Milliarden Liter Trinkwasser durch ein ausgeklügeltes Leitungssystem nach Bayreuth und stützen die Wasserversorgung der Stadtwerke Bayreuth.

Bayreuth – Oliver Becker steigt aus seinem allradangetriebenen Auto beim Wasserwerk Löchleinstal nördlich von Warmensteinach. Bei den Stadtwerken Bayreuth leitet er das Team, das sich um die Wasserversorgung Bayreuths kümmert. Der Grund dafür, dass er in dieser Funktion gut 30 Kilometer von Bayreuth entfernt unterwegs ist, liegt in der Vergangenheit.

Vor 120 Jahren muss der Sommer in Bayreuth sehr heiß gewesen sein. So heiß, dass die Stadt buchstäblich auf dem Trockenen saß – zumindest zeitweise. Sogar die Festspiele drohten auszufallen. Eine Lösung musste her, forderte die eigens zusammengerufene Wasserversorgungskommission der Stadt. Gefunden hat man sie – nach einigem Streit und Rücktrittsdrohungen – am Südhang des Ochsenkopfs, oberhalb von Warmensteinach.

„Das war für damalige Verhältnisse ein Großprojekt“, betont Becker. „Auf einer Fläche von über 600 Hektar sind damals mehr als 70 Quellfassungen am Ochsenkopf gebaut worden.“ Regenwasser, das sich in Rissen im Granit des Bergs sammelt, gelangt durch ein mehr als 16 Kilometer langes Rohrnetz zum Wasserwerk im Löchleinstal. „Von dort geht es über eine 26 Kilometer lange Leitung nach Bayreuth – 1908 war sie fertig und lieferte zum ersten Mal Wasser“, erzählt Becker. Dank des Gefälles ganz ohne den Einsatz von Pumpen. „Bayreuth liegt gut 200 Meter tiefer. Dass kein Pumpwerk nötig war, war der große Vorteil des Standortes und wahrscheinlich sogar ausschlaggebend, dass die Wahl aufs Fichtelgebirge fiel.“

40 Liter pro Sekunde fließen vom Ochsenkopf in Richtung Bayreuth. „Das große Becken im Stadtbad könnte die Fichtelgebirgsleitung in etwa dreieinhalb Stunden auffüllen.“ Pro Jahr liefert das Wasserwerk im Löchleinstal 1,2 Milliarden Liter Wasser. Weil es sehr viel freie Kohlensäure enthält – ein Problem nicht nur für die metallenen Rohrleitungen, sondern auch für Waschmaschine & Co. – bauten die Stadtwerke Bayreuth Anfang der 1970er Jahre dort ein Wasserwerk, das sie vor 15 Jahren für vier Millionen Euro erneuert haben. Dessen Hauptaufgabe: Die freie Kohlensäure aus dem Wasser zu entfernen. „Wir machen das mithilfe von vier großen Jurakalkfiltern“, sagt Becker. Und weil das Fichtelgebirgswasser oberflächennah gewonnen wird und im Gegensatz zum Grundwasser aus Tiefbrunnen nicht durch mehr als 100 Meter Boden gefiltert wird, setzen die Stadtwerke auf moderne Technik. „Hierfür haben wir eine Ultrafiltration im Einsatz, deren Membran kleinste Teilchen, sogar Bakterien und Viren, herausfiltert.“

Damit nichts ins Wasser gelangt, was dort nicht hineingehört, gibt es am Ochsenkopf ein ausgedehntes Wasserschutzgebiet. Dessen Aufgabe erklärt Helena Skrobranek, bei den Stadtwerken Bayreuth zuständig für betriebliche Nachhaltigkeitsprojekte. „Es ist gut zehn Quadratkilometer groß und ist der erste Schritt, der unsere Trinkwasserqualität sicherstellt.“ Deswegen gelten hier besondere Vorschriften – beispielsweise für die Bewirtschaftung des Waldes. „Fahrzeuge müssen beispielsweise speziell gesichert sein, dass kein Diesel oder Hydrauliköl ins Erdreich gelangen können“, sagt Skrobranek. Je näher man an die Quellfassungen herankommt, desto strenger die Sicherheitsvorkehrungen. Die Stadtwerke Bayreuth seien froh, dass dieser Schutz aktiv gelebt werde. „In unserem Wasserschutzgebiet am Ochsenkopf sind vor allem die Bayerischen Staatsforsten aktiv, denen der Trinkwasserschutz am Herzen liegt“, sagt sie. „Es gibt einen engen Austausch mit uns, was wir sehr schätzen.“

Wichtig, denn das Trinkwasser aus dem Fichtelgebirge ist eine wesentliche Säule für die Bayreuther Wasserversorgung. Rund ein Viertel der jährlichen gut fünf Milliarden Liter kommt von dort. Und auch die Gemeinde Warmensteinach hat dadurch ein Ass im Ärmel. Sie hat zwar eine eigene Wasserversorgung, könnte aber auch von den Stadtwerken Bayreuth Wasser beziehen, sollte es einmal ein Problem geben. „Was für Warmensteinach gilt, gilt natürlich auch für Bayreuth“, betont Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Rützel. „Die Wasserversorgung muss auf mehreren Standbeinen stehen, um zukunftssicher zu sein. Wir haben diverse Tiefbrunnen, beziehen außerdem Wasser von der Fernwasserversorgung Oberfranken und – last but not least – gewinnen Wasser im Fichtelgebirge.“

Dadurch begegnet man bereits heute Herausforderungen, die sich durch den Klimawandel verschärfen werden. „Das ist ein Kernbestandteil unseres Konzepts. Hinzu kommt die verstärkte Kooperation mit anderen Wasserversorgern und der Trinkwasserschutz. Im Fichtelgebirge ist bereits klar, dass die Fichte dort auf dem absteigenden Ast ist – ein gesunder Wald ist aber wesentlich für die dortige Wassergewinnung. Wir haben daher auf unseren Flächen einen Klimawald gepflanzt, um zu erproben, welche Baumarten mit den sich ändernden Klimabedingungen besonders gut zurechtkommen.“ Das helfe dabei, dass Bayreuth heute und in Zukunft nicht auf dem Trockenen sitzt – auch dank des Wassers aus dem Fichtelgebirge.

 

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