Einst war es der gefürchtete Todesstreifen, die Trennzone zwischen zwei Staaten und zwei Systemen – heute ist es ein wertvolles Naturschutzgebiet: das «Grüne Band» an der ehemaligen Grenze zwischen BRD und DDR. Die drei Bundesländer Bayern, Sachsen und Thüringen starten nun das Naturschutzgroßprojekt «Grünes Band Dreiländereck». Rund eine Million Euro stehen für die nun beginnende Planungsphase zur Verfügung.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußerte zudem die Hoffnung, dass das «Grüne Band» bald zum Unesco-Weltkultur- und Naturerbe wird. Man unterstütze den Antrag «ausdrücklich». Er finde die Idee hervorragend, sagte Söder in Mödlareuth. Seit 2024 steht das Projekt auf der deutschen Vorschlagsliste für das Unesco-Weltnatur- und Kulturerbe.
Dass die Grenze zwischen den beiden Staaten so stark abgeriegelt war, verschaffte der Natur eine «Atempause», wie es beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) heißt. Der Grenzstreifen war zu Zeiten der Teilung zum Refugium für mehr als 1.200 seltene und gefährdete Pflanzen und Tiere geworden. Nach dem Fall der Mauer sei hier eines der größten und bedeutsamsten Naturschutzprojekte geschaffen worden, informierte der BUND. Das «Grüne Band» zieht sich von der Ostsee bis nach Bayern auf etwa 1.400 Kilometern.
In dem Abschnitt zwischen Bayern, Thüringen und Sachsen loben die Umweltschützer besonders die Fließgewässer wie Südliche Regnitz, Saale und Tannbach, die ein wertvoller Rückzugsraum für seltene Arten wie Feuersalamander und die Flussperlmuschel sind. Dazu kämen artenreiche Berg- und Feuchtwiesen, Heideflächen, Buchenwälder und Moore.
Sachsen hat seinen Abschnitt des einstigen Grenzstreifens Ende April als Nationales Naturmonument ausgewiesen. Mit dem jetzigen Projekt verbinde man den Wunsch, die schützenswerten Flächen im «Grünen Band» mit anderen Bereichen «zu vernetzen und die einst trennende Grenze zum verbindenden Lebensraum gemeinsam zu entwickeln», sagte Staatssekretär Ulrich Menke laut Mitteilung.
«Hier entstehen zusammenhängende Lebensräume, in denen nicht nur Tiere und Pflanzen geschützt werden, sondern auch eine einzigartige Landschaft und die Erinnerung an die Teilung und friedliche Wiedervereinigung Deutschlands bewahrt bleibt», sagte Bettina Hagedorn, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, die in Vertretung von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) nach Mödlareuth gekommen war. «Die Einbindung von Bevölkerung, Verwaltungen und Betrieben in die Planung verbindet Naturschutz mit regionaler Identität und deutsch-deutscher Geschichte.»
Der bayerische BUND-Chef Martin Geilhufe sagte: «Natur und Geschichte gehören am Grünen Band zusammen, es ist eine einzigartige Erinnerungslandschaft und lebendiges Symbol für Frieden, Freiheit und Demokratie.» Entlang des «Grünen Bandes» finden sich auch zahlreiche Erinnerungs- und Gedenkstätten wie etwa das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth.
Aus dem Thüringer Umweltministerium hieß es, das Band zu bewahren, sei eine gemeinsame Naturschutzaufgabe von Bund, Ländern, Kommunen und anerkannten Naturschutzvereinigungen.
Der BUND initiierte bereits wenige Wochen nach dem Mauerfall 1989 nach eigenen Angaben das Naturschutzprojekt «Grünes Band».
Außerdem ist das «Grüne Band» Teil eines europäischen Verbundes, der sich auf mehr als 12.500 Kilometer vom Eismeer über das Schwarze Meer bis zur Adria erstreckt. Er verbindet Schutzgebiete entlang des einstigen Eisernen Vorhangs.
Quelle: dpa