Der Präsident der Musikhochschule Nürnberg, Rainer Kotzian, ist nach Machtmissbrauchsvorwürfen und langen internen Auseinandersetzungen von seinem Posten zurückgetreten. Seinen Rücktritt teilte er in einem Schreiben an alle Hochschulmitglieder mit, das er der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage zukommen ließ und über das zuerst die «Süddeutsche Zeitung» berichtet hatte. Die Hochschule selbst teilte mit, der Rücktritt sei schon zu diesem Freitag wirksam – Kotzian habe seine Entscheidung begründet «mit den hochschulinternen Auseinandersetzungen der vergangenen Monate und dem Wunsch, weitere Belastungen von der Hochschule abzuwenden».
Kotzian räumte in dem Schreiben einen «Fehler» aus dem vergangenen November ein: Im Rahmen einer über lange Zeit gewachsenen, aus seiner Sicht von gegenseitigem Vertrauen geprägten Zusammenarbeit zwischen Lehrenden und Studierenden habe er ein kurzes persönliches Gespräch mit einer Studentin geführt, schrieb er. Aber: «Dabei habe ich nicht ausreichend berücksichtigt, dass auch in einem solchen Vertrauensverhältnis das Machtgefälle zwischen einem Professor und einer Studentin bestehen bleibt und ich deshalb eine besondere Verantwortung dafür trage, unter welchen Umständen und in welcher Form ein solches Gespräch geführt wird. Das bedaure ich sehr.»
Weitere Details nannte Kotzian in dem Schreiben nicht. So wie eine Studierendeninitiative den Sachverhalt darstelle, bestreite er die Vorwürfe, teilte Kotzian auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur allerdings mit.
Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) teilte mit, er respektiere Kotzians Entscheidung, sein Amt niederzulegen, und dankte ihm für seine Arbeit und sein Engagement. Er betonte aber auch: «Die im Raum stehenden Vorwürfe müssen sorgfältig aufgeklärt und aufgearbeitet werden. Denn Hochschulen müssen Orte des Vertrauens und des respektvollen Miteinanders sein. Wir haben deshalb unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorgänge alle notwendigen Schritte zur Aufklärung eingeleitet und die Landesanwaltschaft eingeschaltet.»
Quelle: dpa