Extremismus

Rechtsextremistin Liebich nach Flucht in Tschechien gefasst

09. April 2026 , 17:21 Uhr

Monatelang wurde Liebich per Haftbefehl gesucht. Eigentlich sollte sie längst in der JVA in Chemnitz einsitzen. Jetzt klickten in Tschechien die Handschellen.

Sie meldete sich quasi täglich in den sozialen Netzwerken zu Wort, über Monate fehlte zu ihr aber jede Spur: Die verurteilte Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich ist nach monatelanger Fahndung in Tschechien gefasst worden. Tschechische Polizisten hätten Liebich auf der Grundlage eines europäischen Haftbefehls in Schönbach bei Asch festgenommen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle. Zuvor hatte die «Mitteldeutsche Zeitung» berichtet. 

Liebich habe kurzzeitig versucht, sich dem Zugriff zu entziehen, sagte der Sprecher. Sie sei jetzt in Gewahrsam. Es solle ein Auslieferungsverfahren geben. 

18 Monate Haft stehen aus 

Liebich sollte ihre Haft eigentlich spätestens seit dem 29. August 2025 absitzen, meldete sich dafür jedoch nicht im Frauengefängnis in Chemnitz. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten einen Vollstreckungshaftbefehl erlassen, nachdem Liebich die Haft nicht angetreten hatte. Die Beamten suchten deutschlandweit nach der Rechtsextremistin. Über die Plattform X hatte Liebich behauptet, sich ins Ausland abgesetzt zu haben.

Teils mehrmals täglich waren seitdem auf dem X-Account von Marla Svenja Liebich Posts zu aktuellen politischen Entwicklungen und über sich selbst zu lesen. Nur wenige Stunden bevor die Festnahme öffentlich bekannt wurde, wurde die letzte Nachricht abgesetzt. «Und wir ziehen uns die Hosen mit der Kneifzange an. Endsiegparolen zum Wahlkampf», hieß es dort mit Verweis auf einen Bericht zu einer Statistik über ausländische Beschäftigte.

Liebich war im Juli 2023 – damals noch als Sven Liebich – vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Die Berufung dagegen scheiterte, ebenso wie später die Revision.

Wie sah Liebich bei der Festnahme aus?

Sven Liebich hatte seinen Geschlechtseintrag von männlich auf weiblich und den Vornamen in Marla Svenja hat ändern lassen. Der Fall fachte die Debatte über das neue Selbstbestimmungsgesetz zuletzt wieder an. Die Frage nach dem Erscheinungsbild Liebichs bei der Festnahme ließ der Sprecher der Staatsanwaltschaft offen. Die «Mitteldeutsche Zeitung» berichtet, Liebich habe Männerkleidung getragen, der Kopf sei kahlrasiert.

Mit dem im November 2024 in Kraft getretenen Gesetz, das das frühere Transsexuellengesetz ablöste, wurden Änderungen des Geschlechtseintrags und des Vornamens deutlich erleichtert.

Wird die Änderung des Geschlechtseintrags rückgängig gemacht?

Bis jetzt beschäftigt Liebich die Behörden zum Thema Geschlechtseintrag. Erst vor vier Wochen hatte das Amtsgericht Halle erklärt, es wolle darüber entscheiden, ob die Änderungen von Vorname und Geschlecht der verurteilten Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich rückgängig gemacht werden könnten.

Der Saalekreis im Süden Sachsen-Anhalts, in dem das Geburtenregister berichtigt würde, hatte eigenen Angaben nach schon im Dezember 2025 rechtliche Schritte dafür eingeleitet. Das Verfahren ist nach Angaben des Gerichts nicht öffentlich. Liebich muss im Laufe des Verfahrens jedoch die Möglichkeit eingeräumt werden, angehört zu werden. Wird diese Möglichkeit nicht genutzt, nimmt das Verfahren seinen weiteren Lauf.

Quelle: dpa

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