Die Umgestaltung von Figuren an Fahrgeschäften auf dem Oktoberfest wegen angeblichen Sexismus hat auch beim traditionellen Rundgang vor dem Volksfest für Kritik gesorgt.
Das Traditionsgeschäft «Teufelsrad» hatte nach entsprechenden Hinweisen der städtischen Gleichstellungsstelle Frauenfiguren über dem Eingang neu gestaltet und züchtiger angezogen. Eine Figur, die vorher nur mit Bikini und Blütenkranz bekleidet war, trägt nun Kleid – und auch Schuhe.
Wenn es auf Volksfesten um Belästigung, Sexismus oder andere Dingen gehe, «sind es wir Schausteller, die traditionell einschreiten, helfen, die hoheitlichen Kräften Schulter an Schulter zur Seite stehen», sagte Albert Ritter, der Präsident des Deutschen Schaustellerbundes. «Aber haben wir wirklich keine anderen Probleme, als Pappmaché-Figuren Radlerhosen anzuziehen?»
Es gebe die Venus von Milo, die praktisch nackt sei. «Und wir haben die Sixtinische Kapelle, und da hat der Michelangelo oben auch etwas mit Textilien gegeizt. Da sagt auch keiner, bitte, wir müssen die Sixtinische Kapelle abreißen. Deswegen macht keinen Unterschied bitte zwischen Breitenkultur und Hochkultur.» Entscheidungen wie die über die Figuren am Teufelsrad sollten gemeinschaftlich im Gespräch getroffen werden.
Peter Bausch, Vorsitzender des Münchner Schaustellerverbandes, sagte nur: «Leben und leben lassen.» Und: «Wenn es ein Problem ist, ob eine Figur barfuß ist, dann geht das wirklich zu weit.»
Das «Teufelsrad» nicht das einzige Fahrgeschäft, das zur Umgestaltung aufgefordert wurde. Auch das Fahrgeschäft «Happy Sailor», das in diesem Jahr wieder auf der Wiesn stehen soll, musste Medien zufolge demnach Veränderungen an einer Meerjungfrau und einem Kapitän vornehmen.
Allerdings gibt es immer noch Fahrgeschäfte mit Frauenfiguren in hochfliegenden Röcken.
Vor drei Jahren waren Darstellungen an einer Wurfbude und an einem Karussell wegen des Rassismusvorwurfs in die Kritik geraten. Politik und Schausteller verständigten sich darauf, dass die Motive geändert werden. Bei einem Motiv handelte es sich um einen schwarzen Mann, der einer weißen Frau unter den Rock schaute.
Aus Protest gegen die Aufforderung der Stadt zur Umgestaltung der Figuren des Teufelsrads hatte ein Schausteller-Verband, der Bundesverband der Schausteller und Marktkaufleute, die Teilnahme am traditionellen Wiesn-Rundgang abgesagt. Die Münchner Schausteller waren jedoch wie gewohnt dabei.
Inzwischen stellt die Stadt selbst die Sinnhaftigkeit dieser Aufforderung infrage. Unter anderem Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) kündigte Gespräche mit der Gleichstellungsstelle über mehr «Augenmaß» an. Das sogenannte Upskirting sei ein ganz anderes Thema – dabei wird Frauen unter den Rock gefilmt. Es gehe nicht an, das Videos von Frauen ins Internet gestellt würden.
Das Teufelsrad hat Tradition auf der Wiesn: Es ist über 100 Jahre alt. Weil es auf dem drehenden Rad die Röcke der Frauen hochweht, hatten die Betreiber bereits Radlerhosen ausgegeben, um Frauen zu schützen.
Quelle: dpa