Nordafrika-Exklave

Spanische Polizei räumt Migrantenlager in Ceuta

05. Oktober 2026 , 17:27 Uhr

Seit Ende Juli leben die Menschen in einem improvisierten Lager am Strand. Nun sollen sie ausreisen oder sich registrieren lassen. Was die Menschen erwartet und warum Hilfsorganisationen Kritik üben.

Gut eine Woche vor dem geplanten Besuch des spanischen Königspaares in Spaniens Nordafrika-Exklave Ceuta hat die Polizei mit Unterstützung des Militärs die Räumung eines Migrantenlagers abgeschlossen. Alle ursprünglich rund 3.000 Migranten, die seit Ende Juli am Strand Trampolin in improvisierten Behausungen gelebt hatten, seien von dort fortgebracht worden, berichtete die lokale Zeitung «El Faro». 

Am 30. und 31. Juli waren nach Schätzung der Regierung bis zu 80.000 Migranten von Marokko aus nach Ceuta gekommen. Die meisten kehrten anschließend nach Marokko zurück. Tausende halten sich jedoch weiterhin in der Exklave auf.

Die Migranten wurden wie am Vortag in Bussen zum Grenzübergang Tarajal gefahren. Dort würden sie vor die Wahl gestellt, entweder sofort freiwillig nach Marokko zurückzukehren oder sich registrieren zu lassen, um dann in einem Zeltlager untergebracht zu werden, berichtete der staatliche spanische TV-Sender RTVE. 

Migranten fürchten Abschiebung nach Marokko

Eine Registrierung und die Auffanglager scheuen viele der Migranten, weil sie befürchteten, dann leichter in das als sicheres Herkunftsland geltende Marokko abgeschoben werden zu können. Zudem könnten sie durch die Erfassung ihrer biometrischen Daten selbst dann, wenn es ihnen gelingen sollte, auf das spanische Festland oder in andere EU-Staaten zu gelangen, leichter identifiziert und in das Erstregistrierungsland oder ihr Heimatland abgeschoben werden. 

Am ersten Tag der jüngsten Räumungsaktion hätten deshalb 600 Marokkaner freiwillig Ceuta verlassen, berichtete RTVE weiter. Am zweiten Tag seien dann viele der ursprünglich bis zu 3.500 Migranten, die seit Monaten in Hütten aus Plastikplanen am Strand lebten, in umliegende Wälder geflüchtet.

Die deutsche private Hilfsorganisation Mission Lifeline kritisierte das Vorgehen der spanischen Behörden scharf. «Unter Druck und umringt von rabiat vorgehender Polizei mit Panzerwagen kann von Freiwilligkeit und einem rechtsstaatlichen Verfahren keine Rede sein», sagte der Leiter der Nichtregierungsorganisation aus Dresden, Nolte Bauer, der Deutschen Presse-Agentur. Die spanischen Behörden müssten das, was Bauer als «Abschiebungen» bezeichnete, umgehend stoppen und eine individuelle Prüfung für jede Person gewährleisten.

Quelle: dpa

 

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