Industrie

Siemens und Nvidia wollen Fabriken automatischer machen

19. Oktober 2026 , 14:40 Uhr

Die beiden Technologiekonzerne arbeiten zusammen, um KI in die Produktion zu bringen. In Erlangen zeigen sie, wie das aussehen könnte.

In Erlangen zeigen Siemens und Nvidia wie KI Fabriken verändern könnte. Das dortige Elektronikwerk soll als Blaupause für weitere Fabriken dienen – innerhalb des Siemens-Konzerns aber auch für Kunden, wie Vorstandsmitglied Cedrik Neike erklärt. Er sieht es als «historische Chance für Deutschland und Europa», Künstliche Intelligenz in Fabriken zu bringen und im industriellen Maßstab einzusetzen. Nur so könne man die Produktivität weiter steigern und Produktion auch in Hochlohnländern sichern. 

Ziel des Einsatzes ist es, Prozesse schneller und flexibler zu machen. Bisher könne man Fabriken zu 30 oder 40 Prozent automatisieren, mit KI seien 70 oder 80 Prozent möglich, sagt Neike. Ein entscheidender Punkt dabei ist, dass es mit ihr möglich wird, dies auch bei vielfältigen und sich verändernden Prozesse zu tun. «Fabriken müssen mit Veränderungen ebenso gut umgehen können wie mit Wiederholungen», sagt Rev Lebaredian von Nvidia.

In Erlangen zeigen die Unternehmen das am Beispiel der automatischen optischen Kontrolle von Leiterplatten. Im Werk ändern sich diese immer wieder – je nach genauer Konfiguration. Bisher sei es dann nötig gewesen, dem System von Hand beizubringen, wie eine gute Platte auszusehen hat. Das habe jedesmal mehrere Stunden gedauert und man habe dafür die Produktion anhalten müssen. Jetzt könne man noch vor dem Start der Produktion aus den Daten für das Produkt und die Produktion – Experten sprechen hier von einem digitalen Zwilling – mit Hilfe von Simulationstechnologie von Nvidia ein Bild erzeugen, wie eine fotorealistische gute Leiterplatte aussehen würde – aber auch wie fehlerhafte Platten aussähen.

Eine andere Anwendung ist die Produktionsplanung, bei der ein Mensch letztlich im Dialog mit KI-Agenten festlege, wie sie umgesetzt werde. Auch hier sind digitaler Zwilling und Simulation die entscheidende Grundlage.

Das Interesse an der Technologie, die digitale Zwillinge und Simulation zusammenbringe, sei sehr groß und komme letztlich aus allen Industrien, sagt Neike. Lebaredian hat dafür eine plakative Erklärung: Letzlich sei der digitale Zwilling eine Zeitmaschine, weil er einem durch Simulationen verschiedene Zukunften zeige. «Und wer könnte nicht eine Zeitmaschine brauchen.»

Quelle: dpa

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