IOC-Geschlechtertests

Semenya fordert: «Unsinn ein Ende setzen»

28. März 2026 , 16:37 Uhr

Die neuen IOC-Richtlinien für Geschlechtertests hält Caster Semenya für beschämend. Der frühere Leichtathletik-Star will Widerstand formieren.

Die zweimalige 800-Meter-Olympiasiegerin Caster Semenya hat die neuen Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees in der Geschlechterdebatte scharf kritisiert und will sie juristisch anfechten. «Ich werde Athleten ermutigen, sich zu einer Sammelklage zusammenzuschließen», sagte die 35-jährige Südafrikanerin Sky Sport News, «denn das ergibt keinen Sinn. Es rettet den Frauensport nicht.»

Alle Sportlerinnen sollen sich nach dem Willen des IOC künftig Geschlechtertests unterziehen, um an internationalen Frauen-Wettbewerben teilnehmen zu dürfen. Transfrauen soll ein Start in der Frauenkategorie künftig untersagt sein.

Semenya war Dauergast in Gerichten

«Ich kämpfe für die Würde der Frauen», sagte Semenya, die ihre Karriere inzwischen beendet hat und als Trainerin arbeitet. «Diejenigen, die sagen: „Ich werde mich keinem Test unterziehen, um zu beweisen, dass ich eine Frau bin“… Ich werde sie ermutigen, das zu tun, um diesem Unsinn ein Ende zu setzen.»

Semenya war zuletzt gegen die Testosteron-Vorschriften des Leichtathletik-Weltverbandes beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vorgegangen. Die dreimalige Weltmeisterin wehrte sich dagegen, sich vor Starts einer Hormonbehandlung zur Senkung ihres natürlichen Testosteronspiegels zu unterziehen.

«Es gibt keinen Respekt gegenüber Frauen»

Semenya betonte immer wieder, sie sei eine Frau. Nach Angaben in ihrer Autobiografie hat sie keine Gebärmutter und keinen Eileiter. «Es gibt keinen Respekt gegenüber Frauen. Sobald man von einer Frau verlangt, sich für die Teilnahme am Sport testen zu lassen, hat das mit Würde nichts zu tun», sagte Semenya. «Ein Mädchen, ein Kind, zu testen, ist schädlich und beschämend.»

Die neue Richtlinie ist das Ergebnis einer von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry eingesetzten Arbeitsgruppe zum «Schutz der Frauen-Kategorie». Auslöser für die verschärfte Politik der olympischen Dachorganisation war der Wirbel um Wettbewerbe im Frauen-Boxen bei den Sommerspielen in Paris 2024.

Zwei Boxerinnen im Fokus

Im Zentrum der Geschlechterdebatte standen die Olympiasiegerinnen Imane Khelif und Lin Yu-ting. Beide waren zuvor vom Weltverband Iba von der WM ausgeschlossen worden, da sie auf der Basis eines nicht näher erklärten Geschlechtertests angeblich die Teilnahme-Kriterien nicht erfüllt hatten.

Bei Olympia durften beide starten. Der damalige IOC-Präsident Thomas Bach sagte unter Verweis auf die damals geltenden Regeln: «Es bestand nie ein Zweifel daran, dass sie Frauen sind.» Khelif betonte zuletzt auch: «Ich bin keine Transsexuelle, ich bin ein Mädchen.» Transmenschen oder Transgender sind Personen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde.

Quelle: dpa

 

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