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«Sacrifice»: Böse Satire und apokalyptischer Erlösungstrip

14. Oktober 2026 , 10:00 Uhr

Prominente feiern den Klimaschutz, Ökoterroristen stürmen die Party – und dann soll ein Hollywoodstar die Menschheit retten. «Sacrifice» von Romain Gavras ist eigenwillig und visuell beeindruckend.

Eine fast menschenleere Landschaft. Ein riesiger Steinbruch. Darin feiern Prominente eine Benefizveranstaltung für den Klimaschutz. Dann stürmen Ökoterroristen die Feier. «Sacrifice» ist ein bildgewaltiger wie eigenwilliger Film, der als herrlich böse Satire auf die Selbstinszenierung einer wohlhabenden, vermeintlich umweltbewussten Elite beginnt – und in einem surrealistischen Erlösungstrip endet. 

Es ist der vierte Langfilm des französischen Regisseurs Romain Gavras («Die Welt gehört dir», «Athena») und sein erster auf Englisch. Zur prominenten Besetzung gehören unter anderem Chris Evans, John Malkovich, Vincent Cassel und Anya Taylor-Joy.

Ökoterror im Marmorsteinbruch

Die Ausgangssituation ist eine wunderbare Steilvorlage für Gavras‘ Spottlust: Eine illustre Gesellschaft aus Prominenten, Superreichen und selbst ernannten Weltverbesserern versammelt sich zu einer Benefizgala für den Umweltschutz. Der Schauplatz: ein gigantischer Marmorsteinbruch auf einer griechischen Insel, der für diesen Anlass in eine luxuriöse Eventlocation verwandelt wurde – eine Bühne für eine Elite, die sich beim Retten der Welt am liebsten selbst zusieht.

Als schwer bewaffnete Ökoterroristen die Veranstaltung stürmen, halten die Gäste den Überfall zunächst für einen Teil der Show, in der zuvor eine Sängerin, kostümiert wie ein Mitglied eines Naturvolks, mit ihren Tänzerinnen das Ende ihrer natürlichen Lebenswelt besingt. Gavras‘ Satire auf Greenwashing, Celebrity-Aktivismus und die Selbstbezogenheit der Reichen ist böse und grotesk.

Ein Star als Erlöser

Mittendrin: Mike Tyler (Chris Evans), ein berühmter Schauspieler, der nach längerer Abwesenheit sein Comeback feiert. Als die Terroristen-Anführerin Joan (Anya Taylor-Joy) verkündet, ein naher Vulkan werde in zwei Tagen die Menschheit vernichten und nur das Opfer von drei Menschen könne die Apokalypse verhindern, fällt die Wahl auf Mike. Er soll in die Lava springen und die Welt retten. 

Zunächst fühlt sich der eitle Star von dieser Aussicht sogar geschmeichelt: Endlich darf er den Helden spielen – nicht nur vor laufenden Kameras. Evans («Was ist Liebe wert – Materialists») verkörpert ihn mit einer wunderbaren Mischung aus Selbstironie und Verletzlichkeit.

Vom Spott ins Surreale

In der zweiten Hälfte driftet «Sacrifice» ins Surreale: Die Handlung wird zum rätselhaften Trip über Verlust, Glauben und Erlösung. Das ist mitunter schwer nachvollziehbar und man fragt sich bisweilen, wohin der 45 Jahre alte Regisseur will. Doch diese Unberechenbarkeit hat ihren Reiz: Der Film schlägt Haken, wechselt unvermittelt die Tonlage und überrascht.

Was den Film dabei zusammenhält, ist vor allem seine grandiose Bildsprache. Der monumentale Marmorsteinbruch, die groteske Inszenierung der Gala, die bedrohlichen Vulkane: Die Bilder entwickeln eine atmosphärische Kraft, der man sich nur schwer entziehen kann.

Quelle: dpa

 

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