Bei russischen Drohnenangriffen sind in der südostukrainischen Großstadt Krywyj Rih mindestens 14 Menschen in einem belebten Einkaufszentrum getötet worden. Das berichtete der Militärgouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, auf der Nachrichtenplattform Telegram. Die Zahl der Verletzten habe sich bis zum Abend auf 121 erhöht, unter ihnen 22 Kinder, teilte Hanscha mit. 29 Personen hätten schwerste Verletzungen erlitten, unter ihnen fünf Kinder.
Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach in einem Beitrag auf Facebook von einem «absolut zynischen und hinterhältigen Angriff auf ein gewöhnliches Einkaufszentrum». Nach seinen Angaben griffen die Drohnen in zwei Wellen an. «Eine halbe Stunde nach dem ersten Treffer und dem Ausbruch eines Brandes folgte ein erneuter Angriff auf die Rettungskräfte», berichtete er.
«Solche Angriffe sind schlichtweg Terrorakte», betonte er. Die Welt müsse entsprechend darauf reagieren – mit echtem Druck auf den Aggressor. «Damit Frieden herrschen kann, muss Russland tatsächlich zur Verantwortung gezogen werden.»
In seiner abendlichen Videbotschaft sprach Selenskyj von einer «absoluten Grausamkeit» der Russen. «Das sind einfach Bestien», sagte er in einer ungewöhnlich kurzen Ansprache. «Wir werden sie dafür auf jeden Fall zur Rechenschaft ziehen.»
Die Heimatstadt von Selenskyj liegt rund 350 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew. Erst vor wenigen Tagen war Krywyj Rih vom russischen Militär mit Kampfdrohnen und ballistischen Raketen angegriffen worden. Dabei starben nach offiziellen Angaben zwei Zivilisten, knapp ein Dutzend Menschen wurde verletzt.
Bei einem weiteren russischen Angriff wurde am Abend die Region Mykolajiw getroffen. Dabei starben nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums mindestens vier Menschen, unter ihnen drei Kinder. Zwei der Kinder seien elf Jahre alt gewesen, das dritte Kind war zwölf. Der russische Angriff habe ein Geschäft, eine Apotheke und ein Postamt getroffen.
Russland führt seit knapp viereinhalb Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Seit einigen Monaten nimmt das russische Militär verstärkt zivile Ziele im Nachbarland ins Visier.
Quelle: dpa