Mutmaßlicher IS-Anhänger

Prozess wegen 23-fachen Mordversuchs ausgesetzt

23. September 2026 , 14:07 Uhr

Er soll mit einem Luftgewehr auf etliche Autos geschossen haben, um Unfälle zu verursachen und «Ungläubige» zu töten. Doch vorläufig kann dem 22-Jährigen nicht der Prozess gemacht werden.

Ein Prozess wegen 23-fachen versuchten Mordes kann wegen des Gesundheitszustandes des Angeklagten voraussichtlich erst später stattfinden. Eigentlich sollte sich der 22-Jährige von Mittwoch an vor dem Landgericht Augsburg verantworten, weil er mit einem Luftgewehr reihenweise auf fahrende Autos geschossen haben soll.

Die Generalstaatsanwaltschaft München geht davon aus, dass der mutmaßliche Sympathisant der Terrorvereinigung «Islamischer Staat» (IS) dadurch schwere Unfälle mit möglicherweise auch Toten verursachen wollte. Letztlich wurde aber niemand verletzt.

Angeklagter hat wegen Chemotherapie Nebenwirkungen

Die Strafkammer entschied allerdings, dass der Prozess vorläufig nicht stattfinden kann. Denn bei dem Beschuldigten wurde vor wenigen Monaten Krebs diagnostiziert. Derzeit macht er eine Chemotherapie. Wegen der schweren Nebenwirkungen könne er dem Verfahren nicht folgen, sagte der 22-Jährige dem Richter. Die Ärztin des Angeklagten bestätigte, dass die Behandlung erhebliche Nebenwirkungen haben könne.

Wie Gerichtssprecher Michael Rauh erläuterte, sei das Verfahren nun ausgesetzt worden. Zunächst müsse der Abschluss der Chemotherapie abgewartet werden. «Erst wenn die Behandlung sicher abgeschlossen ist, ist wieder von der Verhandlungsfähigkeit auszugehen», sagte er. Ende des Jahres oder Anfang 2027 könne das Verfahren dann voraussichtlich neu starten. Ob der Mann bis dahin in Untersuchungshaft bleiben muss, soll später entschieden werden.

Wollte Angeklagter an Terror vom 11. September erinnern?

Der damals 21 Jahre alte Mann soll im September 2025 mit dem Luftgewehr an einer Bundesstraße bei Dillingen an der Donau 23 Mal willkürlich auf fahrende Autos geschossen haben, um Unfälle zu verursachen. Der Angeklagte soll nach Ansicht der Generalstaatsanwaltschaft gehofft haben, dass die Fahrer irritiert werden und von der Fahrbahn abkommen. Er soll darauf spekuliert haben, dass die Insassen schwer verletzt oder getötet werden.

Der in Deutschland geborene Türke soll geplant haben, «Ungläubige» zu töten. Die Ermittler gehen davon aus, dass er bewusst in den Tagen um den 11. September geschossen hat. Er habe damit die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA glorifizieren wollen.

Die Autofahrer erschraken laut Anklage damals zwar durch das Knallgeräusch, zu Unfällen kam es aber nicht. An den Fahrzeugen sei ein Schaden von insgesamt rund 33.000 Euro entstanden.

Quelle: dpa

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