Cold Case

Knochen und Geständnis - Hoffnung auf Wende im Fall Langley

19. Oktober 2026 , 16:47 Uhr

Im Fall der seit dem Sommer 2007 vermissten Kerstin Lee Langley gibt es einen Durchbruch: Nach einem Knochenfund berichten die Ermittler von einem Geständnis und von drei Tatverdächtigen.

Ein Cold Case steht vor der Aufklärung: Die seit 2007 vermisste Kerstin Lee Langley aus Regensburg ist nach derzeitigen Ermittlungsergebnissen getötet worden. Das teilten Sprecher von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft mit. Eine 56 Jahre alte Frau habe ein Geständnis abgelegt und einen Hinweis auf den Fundort der Leiche gegeben – die Schuldgefühle seien für die Tatverdächtige zu groß geworden. Es gibt demnach zwei weitere Verdächtige.

Das Trio soll die damals 39 Jahre alte Langley im Sommer 2007 getötet haben. Der Vorwurf gegen die drei deutschen Staatsangehörigen laute gemeinschaftlicher Totschlag, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher. Neben der Frau gelten zwei Männer als tatverdächtig, von denen einer 2024 gestorben ist. Der andere, ein 66 Jahre alter Mann, befinde sich in Untersuchungshaft. Er habe sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert. Der Untersuchungshaftbefehl gegen die Frau sei aufgrund ihrer umfangreichen Angaben außer Vollzug gesetzt worden.

Rechtsmedizinische Untersuchung 

Die 56-jährige Tatverdächtige habe konkrete Hinweise auf den Ablageort der Toten gegeben. Gemäß der rechtsmedizinischen Untersuchung von am 9. Oktober in Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz ausgegrabenen Knochen handelt es sich «mit hoher Wahrscheinlichkeit» um die sterblichen Überreste von Kerstin Lee Langley, wie Robert Fuchs, Leiter der Kriminalpolizei Regensburg, mitteilte.

Es seien bislang sechs Knochen gefunden worden. Ein endgültiges Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchung der sterblichen Überreste stehe noch aus. Die Suche an einem zweiten möglichen Fundort in Sulzbach-Rosenberg sei bisher ergebnislos geblieben. 

Groll gegen Langley

Zum Motiv machten die Ermittler keine konkreten Angaben. Die drei Tatverdächtigen sollen alle in irgendeiner Form einen Groll auf Kerstin Lee Langley gehabt haben, so Oberstaatsanwalt Rauscher. Sie sollen die Tötung gemeinsam geplant haben. 

Dem Ermittlungsstand nach waren die 56-Jährige und der 2024 gestorbene Mann ein Paar. 2007 soll sich der Mann in Langley verliebt haben und mit dieser zusammengezogen sein. Seine Ex-Frau sei daraufhin bei dem heute 66-Jährigen untergekommen, wohl im Sinne einer Wohngemeinschaft.

Leiche gemeinsam vergraben?

Bei einem Treffen der drei Personen mit Langley im Sommer 2007 soll die heute 56-Jährige versucht haben, die im Sessel sitzende Langley zu erwürgen. Was nicht gelungen sei, weil sich Langley gewehrt habe. Daraufhin soll der 66-Jährige übernommen und die Frau erwürgt haben, erläuterten die Ermittler. Gemeinsam sollen die Tatverdächtigen die Leiche vergraben haben. Die Ermittlungen dauern an. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Für die Tatverdächtige könne aufgrund ihres Geständnisses die sogenannte Kronzeugenregelung in Betracht kommen, sagte Rauscher und betonte, dass die Ermittler ohne das Geständnis der Beschuldigten «heute nicht hier säßen». 

Erste Aussage der Tatverdächtigen bereits 2012

Die 56-Jährige habe sich bereits im Jahr 2012 während einer Faschingsparty mehreren Menschen gegenüber offenbart und erzählt, dass ihr Ex-Mann zwei Frauen getötet habe. Die Zeugen teilten dies der Polizei mit. Jedoch habe sich bei den Ermittlungen herausgestellt, dass eine der angeblich getöteten Frauen am Leben war, was die Belastbarkeit der Aussage geschmälert habe.

Dass es sich bei der zweiten, angeblich vom Ex-Mann getöteten Frau um Langley handelte, habe zwar erneute Ermittlungen in Gang und den Fall 2013 in die ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY … ungelöst» gebracht, jedoch ohne anschließend ausreichende Indizien. So sei der Fall Langley zunächst zu einem Cold Case geworden. An einem von der 56-Jährigen genannten Suchort seien die Ermittler zudem nicht fündig geworden. Dieser Suchort befinde nur etwa 500 Meter entfernt von der Stelle, an der nun Knochen ausgegraben wurden.

Auch ein Seher hat sich gemeldet

2024 sei erneut in der Sendung «Aktenzeichen XY … ungelöst» berichtet worden, woraufhin sich unter anderem ein Seher gemeldet habe, dessen Hinweis auf einen möglichen Fundort jedoch lediglich zu einem toten Tier geführt habe. 2026 hätten sich Beamte den Fall wieder vorgenommen. Die 56-Jährige sei dann in der Polizeiinspektion Nittendorf (Landkreis Regensburg) erschienen und habe gesagt, sie könne mit der Belastung nicht mehr leben, wolle reinen Tisch machen und ein Geständnis ablegen.

Vom Bruder als vermisst gemeldet

Kerstin Lee Langley war im Sommer 2007 von ihrem Bruder als vermisst gemeldet worden. Ihr Sohn war beim Verschwinden seiner Mutter 17 Jahre alt. Den Angehörigen Gewissheit zu verschaffen, sei für die Ermittler ein wichtiger Antrieb, um lange zurückliegende Fälle aufzuklären, sagte Kripo-Leiter Fuchs. Das könnte den Angehörigen helfen, einen Abschluss zu finden. Außerdem sei es auch für die Gesellschaft von Bedeutung, zu zeigen, dass solche Taten nicht ungesühnt blieben.

Der Kripo-Chef bat außerdem um Zeugenhinweise. Es sei nicht auszuschließen, dass im Laufe der 19 Jahre im Umfeld Langleys oder der drei Tatverdächtigen über die Tat gesprochen worden sei. Oberstaatsanwalt Rauscher sprach von «Quantensprüngen» bei den Ermittlungen: «Wir haben jetzt eine Riesenchance, die Tat auch nach so langer Zeit aufzuklären und den Angehörigen endlich Gewissheit zu geben, was passiert ist.»

Quelle: dpa

 

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