Nur anderthalb Jahre nach dem Tod von Papst Franziskus muss sich die katholische Kirche wieder Sorgen um ihr Oberhaupt machen: Papst Leo XIV. ist an Krebs erkrankt. Dem 71-Jährigen wurde in einer längeren Operation im Gemelli-Krankenhaus in Rom ein bösartiger Tumor aus der rechten Lunge entfernt. Das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken soll nun bis nächste Woche in der Klinik bleiben. Noch ist unklar, ob er den Krebs wieder los ist oder weiter behandelt werden muss.
Nach offiziellen Angaben des Vatikans verbrachte der gebürtige US-Amerikaner – mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost – nach der OP eine ruhige Nacht. Leo liegt im zehnten Stock der Gemelli-Klinik im Nordwesten der italienischen Hauptstadt. Dort wurde bis kurz vor seinem Tod mit 88 Jahren im April vergangenen Jahres auch sein Vorgänger Franziskus behandelt. Dem Argentinier fehlte bereits seit früherer Jugend ein Teil seiner Lunge – wie Leo nun auch.
Die Bilder aus dem Gemelli-Krankenhaus riefen bei vielen Erinnerungen ans Frühjahr 2025 hervor, als der altersschwache Franziskus dort wochenlang mit einer Lungenentzündung zu kämpfen hatte. Wieder versammelten sich vor der Klinik Menschen zum Gebet. Eigentlich hatte die katholische Kirche gehofft, dass mit Leo – mit 71 Jahren ein verhältnismäßig junger Papst, der auch regelmäßig Sport treibt – auf absehbare Zeit nicht mehr über Krankheiten geredet werden muss.
Bei der 90-minütigen Operation wurde dem Pontifex der untere Lappen seiner rechten Lunge entfernt. Ein Knoten stellte sich als sogenanntes Lungenadenokarzinom heraus, ein bösartiger Tumor. Experten zufolge ist dies die häufigste Form von Lungenkrebs, die auch Nichtraucher treffen kann – so wie jetzt den Papst. Leo ist nicht als Raucher bekannt. Das Ärzteteam um die beiden Italiener Luigi Carbone und Stefano Margaritora zeigte sich mit dem Erfolg der OP zufrieden. Alles sei «ohne Komplikationen» verlaufen, hieß es.
Offen ist jedoch, wie es mit der Behandlung des prominenten Patienten weitergehen wird. Das hängt entscheidend davon ab, ob noch Krebszellen im Körper vorhanden sind. Auch wenn der Eingriff erfolgreich war, besteht das Risiko eines Rückfalls. Bisher äußerte sich der Vatikan nicht dazu.
Erst am Sonntag hatte Leo öffentlich gemacht, dass bei einer Routinekontrolle in seiner Lunge ein solcher Knoten gefunden worden war. Nur zwei Tage später wurde Leo bereits operiert – was bereits darauf hindeutete, dass Grund zur Sorge bestand. Diese Befürchtungen bestätigten sich nun.
Insgesamt war der Papst drei Stunden im OP-Saal. Der rechte untere Lungenlappen wurde vollständig entfernt. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass von dem Tumor nichts mehr übrig ist. Der Eingriff erfolgte mit «video-assistierter Technik». Dabei werden in der Regel mehrere kleine Schnitte in den Brustkorb gemacht, durch die dann eine Mini-Kamera und chirurgische Instrumente eingeführt werden. So muss nicht der gesamte Brustkorb geöffnet werden.
Nach dem Aufwachen durfte Leo schon am Abend in sein Zimmer im zehnten Stock zurück, wo es einen eigenen Trakt für Päpste gibt. Auch der polnische Papst Johannes Paul II. wurde dort mehrfach behandelt. Alle offiziellen Termine bis Mitte nächster Woche wurden abgesagt.
Noch besteht Ungewissheit, wie es für den Papst weitergeht. Der Mediziner Jürgen Behr vom Lehrstuhl für Klinische Pneumologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München sagte der Deutschen Presse-Agentur, im besten Fall sei der Papst nach der OP bereits geheilt. Dann stehe nur noch etwas Nachsorge an. Die Entfernung des Lungenlappens gehe mit etwa 10 bis 20 Prozent Leistungsverlust der Lunge einher. Im Alltag falle das oft nicht wirklich auf.
Allerdings gibt es vom Vatikan und aus dem Ärzteteam noch keinerlei Angaben, wie groß der gefundene Tumor war, ob es eventuell weitere Knoten in dem Lungenlappen gab und ob bereits Lymphknoten befallen sind. Alle drei Befunde würden mit schlechteren Aussichten einhergehen, erklärte Behr. Der Papst selbst äußerte sich in den ersten Stunden nach der OP nicht zu seinem Befinden.
Leo hatte zur allgemeinen Überraschung am Sonntag seine Erkrankung selbst bekanntgegeben, vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. Er sprach von einem Knoten in einem «sehr frühen Stadium». In der Regel sind die Aussichten auf Heilung dann deutlich besser als wenn die Erkrankung erst spät entdeckt wird. Bei einem vollständig entfernten Tumor im frühen Stadium ist meist keine Chemotherapie erforderlich. Auch einer der älteren Brüder Leos leidet nach Angaben von dessen Ehefrau unter einer Krebserkrankung.
Bis zu der überraschenden Mitteilung waren keinerlei gesundheitlichen Probleme des 267. Papstes in der Kirchengeschichte bekannt. Leo hält sich mit Tennis, Schwimmen und regelmäßigen Übungen fit. Den Dienstag hält er sich häufig frei, um in seine Residenz Castel Gandolfo vor den Toren Roms zu fahren. Bei seiner Wahl im Mai vergangenen Jahres wurde gemutmaßt, dass er ein langes Pontifikat vor sich haben dürfte.
Ungewiss ist auch, wie es in den nächsten Wochen mit den Terminen weitergehen wird. Im November steht eigentlich eine fast zweiwöchige Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru auf dem Programm. In Peru war der frühere weltweite Chef des Augustinerordens viele Jahre als Missionar und Bischof tätig. Zur Reise gehört ein Besuch der Stadt Cusco in 3.400 Metern Höhe, was gerade bei Lungenkranken zu Atemproblemen führen kann.
Mit der Bekanntgabe seiner Erkrankung zeigte Leo eine Offenheit im Umgang mit gesundheitlichen Problemen, wie das für Päpste längst nicht selbstverständlich ist. Der Vatikan hielt früher den Gesundheitszustand der Kirchenoberhäupter streng unter Verschluss, solange die Leiden nicht offensichtlich waren – und manchmal auch noch dann.
Quelle: dpa