Abkommen

Norwegen rückt unter Frankreichs nuklearen Schutzschirm

27. Mai 2026 , 23:41 Uhr

Frankreich und Norwegen verstärken ihre Verteidigung: Neben einem Beistandsabkommen erhält Norwegen Zugang zu Frankreichs nuklearem Schutzschirm.

Norwegen rückt unter den atomaren Schutzschirm Frankreichs, den das Land auf Verbündete in Europa ausdehnen will. «Sie haben zugestimmt, dass Norwegen sich dem anschließt, was wir als vorgelagerte nukleare Abschreckung bezeichnet haben», sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei einem Besuch von Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre in Paris. 

«Norwegen, ein wichtiger geografischer und strategischer Partner, mit dem wir bereits eng zusammengearbeitet haben, um das Bündnisgebiet vor äußeren Bedrohungen zu schützen, wird für diese vorgelagerte Abschreckung einen erheblichen Mehrwert darstellen», sagte Macron. Beide Länder vereinbarten außerdem ein Verteidigungsabkommen mit einer Beistandsklausel im Falle eines Angriffs. Der Schritt erfolge angesichts des Bewusstseins, dass Europa für seine eigene Sicherheit stärker selbst sorgen müsse.

Reaktion auf russische Bedrohung

Norwegens Ministerpräsident Støre hob die Initiative Macrons zur Ausweitung der nuklearen Abschreckung Frankreichs auf Europa hervor, insbesondere angesichts der Bedrohung durch Russland. Dennoch werde die Abschreckung im Wesentlichen weiter durch die Nato gewährleistet und die USA hätten zugesichert, weiter den atomaren Schutz für Europa sicherzustellen. 

Auch angesichts von Unsicherheiten mit Blick auf den Partner USA hatte Macron Anfang März einen Ausbau von Frankreichs atomarer Abschreckung und deren Ausdehnung auf Verbündete in Europa angekündigt. Zunächst reagierten acht Länder positiv auf das französische Angebot, neben Deutschland waren dies Polen, die Niederlande, Belgien, Griechenland, Schweden und Dänemark. Mit Großbritannien hatte Frankreich bereits eine engere Koordination bei der atomaren Verteidigung vereinbart.

Französische Atomübungen mit Partnern

Wie Macron im März erläuterte, könne die Ausdehnung von Frankreichs nuklearem Schutzschirm beinhalten, dass Partner an den französischen Atomübungen teilnehmen könnten. Außerdem könnten vorübergehend strategische Elemente zu den Verbündeten verlegt werden. 

In der EU ist Frankreich seit dem EU-Austritt Großbritanniens 2020 die einzig verbliebene Atommacht. Laut dem Friedensforschungsinstitut Sipri besitzt das Land 290 der weltweit etwa 12.200 Atomwaffen und ist damit nach Russland, den USA und China die viertgrößte Atommacht.

Quelle: dpa

Das könnte Dich auch interessieren

18.06.2026 Keine EU-Bedenken: Bund darf bei Panzerbauer KNDS einsteigen Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS stellt unter anderem Panzer her. Die Bundesregierung will einsteigen. 17.06.2026 Nato-Chef bestätigt US-Streichungen bei Streitkräfteplanung Die USA halten künftig weniger Streitkräfte unter Nato-Kommando bereit. Nato-Generalsekretär Mark Rutte versucht, Sorgen zu zerstreuen. 10.06.2026 EU-Einigung: Schnellverfahren für Aufrüstungsprojekte kommt In Reaktion auf russische Bedrohungen und Provokationen will die EU Abschreckung und Verteidigung stärken. Die Industrie beklagte bislang oft bürokratische Hürden. Nun soll es mehr Tempo geben. 30.05.2026 Hegseth attackiert Europa – und warnt vor Chinas Hegemonie Scharfe Worte an Europa, Warnungen vor China: US-Verteidigungsminister Hegseth fordert in Singapur mehr militärisches Engagement der Verbündeten – und eine stärkere Abschreckung im Indopazifik.