Kommunalwahl

Neuer Anlauf: Chiemsee sucht neuen Bürgermeister

14. Juni 2026 , 03:30 Uhr

Kein Skandal, kein Streit – trotzdem ist in Bayerns kleinster Gemeinde Chiemsee die Bürgermeisterwahl im März gescheitert. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf - wer stellt sich dem Wahlvolk?

Ein einziger Kandidat, aber kein Wahlsieg: Nach einer kurios gescheiterten Bürgermeisterwahl im März wählt Bayerns kleinste Gemeinde Chiemsee am Sonntag erneut ihr Gemeindeoberhaupt. Bei der Kommunalwahl im März hatte der damalige Amtsinhaber Armin Krämmer (Freie Wählergemeinschaft Chiemsee) trotz fehlender Gegenkandidaten nicht die erforderliche Mehrheit erreicht. 

Wieder nur ein Kandidat

Nun steht wieder nur ein Name auf dem Stimmzettel – diesmal der des Keramikmeisters Georg Klampfleuthner. Er gehört der Freien Wählergruppe Chiemsee an, die bisherige Wählergemeinschaft. Es ist die einzige Liste in der kleinen Inselgemeinde – damit kann es nur einen Kandidaten geben.

Krämmer hatte zurückgezogen. Zwar erhielt er im März nach Angaben der Verwaltungsgemeinschaft Breitbrunn am Chiemsee 47,7 Prozent der Stimmen, doch mehr als die Hälfte der Wähler schrieb andere Namen auf den Stimmzettel. Das ist nach dem Wahlrecht möglich, wenn es keinen oder nur einen Bewerber gibt. Dasselbe könnte nun wieder passieren. Jeder kennt hier jeden. Die Gemeinde zählt rund 170 Einwohner, gut 140 von ihnen sind wahlberechtigt. 

Unfreiwillig Gewählter lehnt ab 

Im März wäre der nächste, normale Schritt eine Stichwahl zwei Wochen nach dem ersten Termin zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen gewesen. Dabei hätten Krämmer und ein langjähriger Gemeinderat auf dem Stimmzettel gestanden, der zwar nicht kandidiert, aber mit 21,5 Prozent der Stimmen unfreiwillig den zweiten Platz gemacht hatte. Doch er wollte nicht in die Stichwahl. Damit musste die Wahl komplett neu aufgesetzt werden – ein monatelanger Prozess. 

Rätselraten über Wahlergebnis

In Chiemsee hatte im März viele überrascht, dass Krämmer als bisheriger Bürgermeister, der eine Amtszeit hinter sich hatte, nicht die Mehrheit bekam. Einen Skandal oder wie in München Kritik am Amtsinhaber wegen Vereinsmandaten bei einem Fußballverein habe es nicht gegeben, hieß es im März nach der Wahl im Ort. Die Wahlbeteiligung lag mit knapp 80 Prozent deutlich über dem Bayern-Durchschnitt. 

Tourismusbeschäftigte, Fischer, Nonnen 

Die Gemeinde umfasst die Fraueninsel mit dem Benediktinerinnenkloster, die Herreninsel mit dem Schloss von König Ludwig II. und die unbewohnte Krautinsel. Neben den Benediktinerinnen wohnen in Chiemsee unter anderem Fischer, Künstler und im Tourismus tätige Personen. 

Früher gab es für die Gemeinderatswahl neben der Liste der Freien Wählergemeinschaft Chiemsee auch eine Wählerliste Kloster. Eine der Nonnen war bisher auch im Gemeinderat. Dieses Mal aber schaffte es die einzige Nonne, die kandidiert hatte, nicht in den achtköpfigen Gemeinderat.

Quelle: dpa

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