Geschäft mit der Wiesn

München stellt 200 Oktoberfest-Lizenzen für Influencer aus

25. September 2026 , 04:30 Uhr

Berichte über eine Wiesn-Lizenz für Menschen, die ihr Geld mit Instagram und Co. verdienen, machen Schlagzeilen. Zahlen der Stadt zeigen: Betroffen sind hunderte Influencer.

Die Stadt München hat hunderte Oktoberfest-Lizenzen für Influencer vergeben – und noch viel mehr Anfragen bekommen. «Nach dem ersten Wochenende lagen etwa 300 Anfragen vor, von denen bisher rund 200 zu Lizenzvereinbarungen geführt haben», sagte eine Sprecherin des städtischen Wirtschaftsreferates auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. 

In welchem Kostenrahmen sich diese Lizenzen bewegen, sagte sie nicht, weil «die Landeshauptstadt München bei Verträgen mit Dritten keine konkreten Summen nennt». Es gebe auch eine «Bagatellgrenze» für den Fall, dass ein Wiesn-Post finanziell nicht sonderlich viel abwirft. 

Nachträgliche Lizenzen teurer

«Basis der Lizenzkosten sind immer die Einnahmen, die mit dem Posting generiert werden. Die genaue Berechnung hängt dann von verschiedenen Parametern ab, wie der Reichweite oder die Art der Monetarisierung auf einer Plattform.»

Sich frühzeitig darum zu kümmern, kann sich für diejenigen, die ihr Geld mit Instagram und Co. verdienen, lohnen – denn: «Vorab nicht lizenzierter Content muss nachlizenziert werden und wird aufgrund des höheren Aufwands teurer.»

Die Neuregelung hatte bei Influencern Aufregung ausgelöst. Wer mit Social-Media-Inhalten unmittelbar oder mittelbar kommerzielle Zwecke verfolgt – etwa durch Sponsoring, Kooperationen oder Produktplatzierungen – der braucht für die Wiesn seit diesem Jahr eine Genehmigung. Schließlich stecke hinter Veröffentlichungen auf Plattformen wie Youtube und TikTok «mittlerweile ein eigener Wirtschaftszweig», hieß es von der Stadt. 

«Wer mit unserem Fest Geld verdient, muss sich beteiligen»

«Natürlich dürfen Influencer vom Oktoberfest posten. Wir freuen uns auch, wenn Eindrücke unseres schönen Festes nach außen gegeben werden», sagte die Sprecherin des Wirtschaftsreferates. «Wer aber mit unserem Fest Geld verdient, muss sich auch daran beteiligen. Das gilt für unsere Wirte und Schausteller selbstverständlich ebenso wie für Influencer – und zwar dann, wenn sie mit einem Posting direkt Geld verdienen.»

Eine solche Regelung sei «im Übrigen auch keine Besonderheit des Oktoberfestes, sondern bei vielen Veranstaltungen inzwischen gang und gäbe», teilte das Wirtschaftsreferat mit. «Wir nehmen mit allen Betroffenen individuell Kontakt auf – insbesondere bei allen, die in diesem Feld schon länger und professionell aktiv sind, wird eine solche Lizenzierung als völlig selbstverständlich betrachtet.»

«Klare Regeln für kommerzielle Nutzung»

Eine, die nicht ganz unschuldig an der Debatte ist, ist Cathy Hummels. Schließlich brachten Veranstaltungen wie ihr alljährlich stattfindender «Wiesn-Bummel» die Stadt auf die Idee, bei der Regulierung von Influencer-Aktivitäten nachschärfen zu müssen. Hummels hatte für ihren Bummel in diesem Jahr eine Lizenz – und damit auch einen «Freifahrtschein» für ihre Gäste gleich dazu gekauft. 

«Grundsätzlich finde ich es richtig, dass die Stadt München das Oktoberfest als weltweit bekannte Marke schützt und klare Regeln für die kommerzielle Nutzung schafft», sagte Hummels vor ihrem «Wiesn-Bummel». Die aktuelle Diskussion zeige, «wie wichtig Aufklärung ist», betonte die 38-Jährige, die ihren Followern die Regeln in einem Instagram-Reel erklärt hat. «Vielen Creatorn war bislang gar nicht bewusst, wo privater Content endet und kommerzielle Nutzung beginnt.»

Cathy Hummels hat einen Vorschlag

Sie sehe die Regelung «nicht grundsätzlich kritisch», sagte sie. «Ich glaube aber, dass sie noch einfacher, transparenter und digitaler werden könnte.»

Ihre Idee: ein digitaler «Wiesn Content Check» als App oder Plattform. «Creator beantworten dort vorab einige Fragen zu ihrem geplanten Content: Ist es eine Kooperation? Wird ein Produkt beworben? Gibt es eine Gewinnerzielungsabsicht? Daraus ergibt sich zunächst, ob eine Lizenz erforderlich sein könnte», sagte Hummels. «Ist eine Lizenz notwendig, könnte man sie direkt über die Plattform beantragen und bezahlen. So hätten Creator schnell Klarheit und die Stadt gleichzeitig Transparenz darüber, wie ihre Marke kommerziell genutzt wird.»

Was verdient die Stadt damit? 

Die Stadt verdient nach Angaben des Wirtschaftsreferates übrigens nicht an den Lizenzen – sondern finanziert damit die Wiesn. «Die Landeshauptstadt München nimmt damit auch kein Geld ein», sagte die Sprecherin. «Das Oktoberfest ist ein Gebührenrechner, das heißt Geld, das durch das Oktoberfest, also zum Beispiel durch Standgelder, eingenommen wird, fließt direkt in die Organisation des Oktoberfestes zurück.»

Quelle: dpa

 

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