Ukraine-Krieg

Waffenruhe hält nicht: Luftkrieg vor Moskauer Siegesparade

07. Mai 2026 , 15:04 Uhr

Kurz vor dem Tag des Sieges in Moskau eskaliert der Drohnenkrieg zwischen Russland und der Ukraine. Beide Seiten melden Angriffe, die geplante Waffenruhe bleibt brüchig.

Vor dem traditionellen Tag des Sieges in Moskau haben Russland und die Ukraine ihren Drohnenkrieg unvermindert heftig fortgeführt. Die Ukraine gab eine einseitig erklärte Waffenruhe nach einem Tag wieder auf und reagierte auf fortdauernde russische Attacken mit einem ihrer größten bisherigen Drohnenangriffe. 

Am Freitag soll dann mit Tagesanbruch um 0.00 in Moskau (Donnerstag 23.00 Uhr MESZ) eine einseitig von Russland erklärte Waffenruhe in Kraft treten. Die Waffen sollen für zwei Tage schweigen, während das Land feierlich an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland 1945 im Zweiten Weltkrieg erinnert. 

Dazu gehört eine Militärparade vor Kremlchef Wladimir Putin auf dem Roten Platz am Samstag. Für den Fall von Störungen durch die Ukraine hat Moskau Angriffe auf das Zentrum der ukrainischen Metropole Kiew angedroht. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa rief ausländische Diplomaten auf, Kiew zu verlassen.

Moskau will 347 ukrainische Drohnen abgefangen haben

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, über Nacht seien 347 feindliche Drohnen abgefangen worden. Diese Militärzahlen sind nicht unabhängig überprüfbar; es ist aber eine der höchsten je gemeldeten Zahlen. Betroffen waren demnach fast alle Regionen in West- und Zentralrussland. Ein Angriffsziel lag nach übereinstimmenden Berichten beider Seiten in der Stadt Perm am Ural – 1.500 Kilometer von der Ukraine entfernt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechtfertigte die Angriffe, die trotz der einseitig erklärten Feuerpause geflogen wurden. «Wir haben eine Waffenruhe ab Mitternacht des 6. Mai vorgeschlagen», schrieb er in sozialen Netzwerken. «Gestern und heute ist diese Waffenruhe von Russland gebrochen worden. Die spiegelbildliche Reaktion auf die russischen Angriffe sind unsere Langstrecken-Sanktionen» – gemeint sind Drohnenangriffe auf das russische Hinterland.

Selenskyj: Moskau geht es nur um sichere Parade

Zugleich sagte er, wenn Moskau den Pfad der Diplomatie einschlage, werde auch Kiew dies tun. Doch Russland töte weiter Menschen, «während es völlig irrational besessen ist von wenigen Stunden Stille in einem Teil von Moskau», schrieb Selenskyj. 

Wie am Vortag griff russische Armee nach Angaben des Kiewer Militärs auch in der Nacht zum Donnerstag mit Kampfdrohnen an. Die ukrainische Luftwaffe ortete 102 russische Drohnen, von denen 92 abgefangen worden seien. Einschläge habe es an sechs Stellen gegeben. Verletzte wurden unter anderem aus Charkiw und Cherson gemeldet. Die Angriffe zogen sich bis in den Vormittag. Auf die Großstadt Dnipro wurde eine ballistische Rakete abgefeuert.

Kreml ging nicht auf ukrainischen Vorstoß ein

In den mehr als vier Jahren des von Putin befohlenen Angriffskrieges hat es mehrmals Feuerpausen über hohe Feiertage gegeben, die von Russland aber immer als seine Entscheidung dargestellt wurden. Deshalb ging der Kreml auch diesmal nicht auf den ukrainischen Vorstoß ein. «Es gab keine Reaktion der russischen Seite darauf», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow auf die Frage, wie Moskau auf Kiews Ankündigung einer Feuerpause reagiert habe. Zugleich sagte Peskow, dass Russland an der eigenen verkündeten Waffenruhe am 8. und 9. Mai festhalte.

Selenskyjs Chefunterhändler reist in die USA

Die Bemühungen um ein Ende des Krieges liegen auf Eis, auch weil die USA, die sich als Vermittler sehen, derzeit durch den Iran-Krieg abgelenkt sind. Trotzdem soll der Chef des nationalen Sicherheitsrates der Ukraine, Rustem Umjerow, noch in dieser Woche nach Florida reisen, und mit Steve Witkoff sprechen, dem Sondergesandten von US-Präsident Donald Trump.

Quelle: dpa

 

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