Kommunalwahl

Kein Bürgermeister-Kandidat - Gemeinden wählen überraschend

10. März 2026 , 03:00 Uhr

Auch ohne offizielle Kandidaten haben mehrere bayerische Gemeinden ihre Bürgermeister gewählt – die Wähler griffen selbst zum Stift. Wer jetzt in den Rathäusern das Sagen hat.

Leere Stimmzettel, aber am Ende doch ein Bürgermeister: In mehreren bayerischen Gemeinden fanden Wählerinnen und Wähler bei der Kommunalwahl keinen Namen, an dem sie ihr Kreuzchen machen konnten. Trotzdem haben mehrere betroffene Gemeinden einen Rathauschef gefunden. Die Wähler trugen selbst ihre Kandidaten ein – und bestimmten damit ihre Rathauschefs.

Der Alte ist der Neue

In Tyrlaching im Landkreis Altötting ist der alte Bürgermeister auch der neue. Obwohl Andreas Zepper nicht weitermachen wollte und nicht kandidierte, schrieben die Wähler ihn auf ihre Wahlzettel – er erreichte mit 68,67 Prozent auf Anhieb eine überragende Mehrheit. Wie eine Mitarbeiterin des Einwohnermeldeamts in der Verwaltungsgemeinschaft Kirchweidach mitteilte, bekam er 377 Stimmen bei 549 Wählern. Demnach hat er die Wahl auch angenommen. Die Wähler hatten Dutzende Namen auf die Wahlzettel geschrieben. 

Stellvertreterin rückt auf 

Auch in der Gemeinde Brunnen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen bleibt das Rathaus trotz Kandidatenmangels nicht vakant: Dort machte nach dem vorläufigen Endergebnis die bisherige Stellvertreterin des Bürgermeisters, Tanja Artner, mit 70,4 Prozent das Rennen. Nach Auskunft des Geschäftsstellenleiters in der Verwaltungsgemeinschaft Schrobenhausen hat sie die Wahl bereits angenommen. Der bisherige Bürgermeister Thomas Wagner landete bei 16,7 Prozent. 

Beide hatten sich nach Ende der Meldefrist für die Wahlvorschläge auf einer Bürgerversammlung dann doch bereit erklärt, im Falle einer Wahl das Amt zu übernehmen. Gut tausend Wähler hatten fast 50 Personen auf ihre Wahlzettel geschrieben, die sie sich als Ortsoberhaupt vorstellen konnten. 

Eigener Vorschlag – «wählerbenannte Personen» 

Diese Möglichkeit sieht das Wahlrecht vor. Wenn höchstens ein Kandidat auf dem Stimmzettel steht, können die Wähler ihren eigenen Vorschlag dazuschreiben. 

Die Genannten erscheinen zunächst als «wählerbenannte Personen» in der Auswertung – für die Auszählung ist das aufwendig. Denn sie müssen sehr rasch prüfen, ob die genannten Kandidaten tatsächlich wählbar sind. Für Brunnen etwa hatte die zuständige Verwaltungsgemeinschaft Schrobenhausen eigens Mitarbeiter des Einwohnermeldeamts für die Überprüfung am Wahlabend abgestellt. Bei einer regulären Kandidatur geschieht dies, bevor Stimmzettel gedruckt werden. 

Wer steckt hinter der «wählerbenannten Kandidatur 35»? 

Wer es in Tauberrettersheim im Landkreis Würzburg ins Rathaus geschafft hat, war am Wahlabend zunächst nicht öffentlich bekannt. Denn auf dem Stimmzettel stand kein Kandidat zur Wahl – also trugen viele Stimmberechtigte einfach einen Namen ein. Laut vorläufigem Endergebnis erhielt die «Wählerbenannte Kandidatur 35» 69,7 Prozent – und wäre damit Bürgermeister beziehungsweise Bürgermeisterin. Heike Wagner entschied das Rennen mit 302 gültigen Stimmen für sich. Nun muss die Gewählte die Wahl auch annehmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 78,9 Prozent, 665 Bürgerinnen und Bürger waren wahlberechtigt.

«Bei dem Ergebnis kann man nicht Nein sagen»

Eigentlich wollte sich auch der Bürgermeister der Gemeinde Philippsreut im Bayerischen Wald (Landkreis Freyung-Grafenau) zurückziehen. Er kandidierte nicht erneut. Doch die Bürger wählten ihn mit 57,1 Prozent der Stimmen wieder.

Helmut Knaus ist seit 2014 im Amt. Der «Süddeutschen Zeitung» hatte er im Februar gesagt: «Ich möchte jetzt in Rente gehen.» Nach vorläufigem Ergebnis haben 216 von 415 Wählern seinen Namen auf ihren Stimmzettel geschrieben. Die Wahlbeteiligung lag bei 79,7 Prozent. «Bei dem Ergebnis kann man nicht Nein sagen», so Knaus im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Nun will er also weitere sechs Jahre am Bürgermeister-Schreibtisch Platz nehmen.

Kandidat auf dem Wahlzettel will doch nicht gewählt werden

In Untrasried im Landkreis Ostallgäu war es kompliziert. Es stand ein Kandidat auf dem Wahlzettel – der aber im letzten Augenblick bekanntgab, dass er aus gesundheitlichen Gründen im Fall einer Wahl das Amt nicht annehmen könnte. Er war der Einzige auf dem Wahlzettel. Nach Ablauf der Frist für die Nominierung erklärte sich dann aber Markus Wintergerst bereit – und bekam nach dem vorläufigen Endergebnis eine haushohe Mehrheit von 86,5 Prozent der Stimmen, wie die Verwaltungsgemeinschaft Obergünzburg mitteilte.

Einziger Bewerber in kleinster Gemeinde muss in die Stichwahl 

In Bayerns kleinster Gemeinde Chiemsee sah es für Amtsinhaber Armin Krämmer (Freie Wählergemeinschaft Chiemsee) nach guten Chancen aus – doch nun muss er in die Stichwahl: Der gelernte Elektriker war zwar der einzige Bewerber um das Amt, er erzielte aber nach dem vorläufigen Endergebnis nur 47,7 Prozent. 

52,3 Prozent der 144 Wahlberechtigten schrieben andere Namen auf den Wahlzettel. Gegen wen Krämmer am 22. März antritt, war zunächst noch nicht klar. Die Gemeinde mit rund 200 Einwohnern umfasst die Fraueninsel mit dem Benediktinerinnenkloster, die Herreninsel mit dem berühmten Schloss von König Ludwig II. und die unbewohnte Krautinsel.

Quelle: dpa

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