Die Asiatische Tigermücke fühlt sich in Bayern sichtlich wohl: Die invasive Art konnte bereits an vielen Orten im Freistaat nachgewiesen werden. Oft sind es einzelne Exemplare. In Orten wie Fürth, Würzburg und München haben sich jedoch schon Bestände etabliert, die den Winter überleben. Um die weitere Ausbreitung zu verhindern, haben viele Kommunen der Tigermücke den Kampf angesagt. Zentraler Bestandteil ist ein Monitoring, aber auch die Bevölkerung ist gefragt.
In Nürnberg etwa hat das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) an fünf Standorten im Süden der Stadt Klebefallen aufgestellt. «Bereits bei der ersten Leerung konnten dort Tigermücken nachgewiesen werden», sagte Birgit Broghammer vom städtischen Gesundheitsamt. Eine vollständige Auswertung werde es nach dem Ende der Mückensaison geben. Erst dann könne abgeschätzt werden, inwieweit sich die Tigermücke in Bayerns zweitgrößter Stadt weiter habe ansiedeln können.
In diesem Jahr gab es dem LGL zufolge bisher außerdem Nachweise von Tigermücken in den Städten und Landkreisen Rosenheim, Schwabach, Oberallgäu und Fürth. Daraus eine Entwicklung im Vergleich zu den Vorjahren abzulesen, ist laut den Fachleuten aber nicht möglich, weil sich etwa die Zahl und die Standorte der Fallen von Jahr zu Jahr unterscheiden. Einige Stadt- und Landkreise setzen zudem auf eigenes Monitoring. Da keine Meldepflicht bestehe, sei auch nicht gesichert, dass das LGL von allen gefundenen Tigermücken erfahre.
Im Landkreis Forchheim behält das Gesundheitsamt die Tigermücke mit einem eigenen Monitoring im Blick. «Das aktuelle Monitoring dient dazu, die weitere Entwicklung dieser Populationen sowie das mögliche Auftreten weiterer Vorkommen systematisch zu überwachen», erläuterte dieses.
Im Landkreis Forchheim wiederum stellen Fachleute gemeinsam mit einer Fachfirma von Juni bis September 18 Fallen in der Gemeinde Igensdorf und sechs in der Stadt Forchheim auf. Bisher seien noch keine Tigermücken in diese getappt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsamts. Belastbare Ergebnisse gebe es jedoch erst, wenn das Monitoring abgeschlossen sei.
Auch in Würzburg läuft nach dem Fund von 65 Tigermücken im Jahr 2025 in diesem Jahr wieder ein Monitoring zusammen mit der Universität, bei dem 15 Fallen in verschiedenen Stadtteilen aufgestellt werden. Die Auswertung erfolgt laut Stadt zum Saisonende.
Im Landkreis Wunsiedel kommen in diesem Jahr ebenfalls Stechmückenfallen zum Einsatz. Dort war 2024 eine einzelne Tigermücke entdeckt worden und 2025 zehn weitere Exemplare. Das bisherige Ergebnis für 2026 gibt Hoffnung: «Bislang wurden keine weiteren Asiatischen Tigermücken nachgewiesen», heißt es vom Gesundheitsamt.
Doch was unternehmen die betroffenen Kommunen, um die fiesen Plagegeister zu bekämpfen? Im Gegensatz zu den vielen heimischen Mücken ist die auffällig schwarz-weiß geringelte Tigermücke auch tagsüber aktiv, sie ist deutlich aggressiver und kann einem dadurch den Aufenthalt im Freien verleiden.
Außerdem können Tigermücken unter anderem das Dengue- und Chikungunya-Virus, seltener auch das Zika- und West-Nil-Virus, übertragen. Aktuell sieht das LGL dafür ein geringes Risiko. Da die durch die Mücken übertragenen Krankheiten in Bayern aktuell nicht heimisch sind, müssten die Insekten zunächst eine infizierte Reiserückkehrerin oder einen infizierten Reiserückkehrer stechen und dann weitere Menschen. Mit zunehmender Verbreitung der Tigermücken könnte das Risiko für ein solches Szenario jedoch steigen.
Die Brutstätten zu beseitigen, steht dem Landkreis Forchheim zufolge deshalb im Mittelpunkt der Bekämpfung. Tigermücken legen ihre Eier laut dem LGL in kleinen Wasseransammlungen ab, zum Beispiel in Topfuntersetzern, gefüllten Gießkannen, Vogeltränken oder Regentonnen. «Die Mitarbeit der Bevölkerung ist daher der entscheidende Erfolgsfaktor», betonte das Gesundheitsamt in Forchheim. Nur wenn möglichst viele Bürgerinnen und Bürger etwa Regentonnen abdeckten, Vogeltränken regelmäßig reinigten oder Gießkannen leerten, könne die Ausbreitung eingedämmt werden.
Das Nürnberger Gesundheitsamt hat bereits im vergangenen Jahr in mehreren Stadtteilen Flyer verteilt, um die Menschen über die Tigermücke und die Vermeidung von Brutstätten zu informieren. In den betroffenen Gegenden im Landkreis Forchheim haben Fachleute zudem gezielt die Anwohnerinnen und Anwohner beraten, wie sie mögliche Brutstätten verhindern können. Insektizide kommen laut dem Gesundheitsamt zurzeit dagegen nicht zum Einsatz.
Anders in Fürth, wo die Asiatische Tigermücke nach Angaben der Stadt bereits seit 2019 zum Alltag gehört. Eine Schädlingsbekämpfungsfirma hält diese im Auftrag der Stadt im Schach: Sie stellt Mückenfallen auf, bekämpft die Larven mit Gift und klingelt unter anderem an den Haustüren der Anwohnerinnen und Anwohner, um diese auf potenzielle Brutstätten aufmerksam zu machen.
Quelle: dpa