Mythischer Berg in Tibet

Kailash: Heiliges Pilgerziel im Schatten der Flutkatastrophe

29. August 2026 , 09:16 Uhr

Nach der Flutkatastrophe im Himalaya werden Hunderte Pilger auf der Reise zum Kailash als vermisst - darunter vier Deutsche. Was macht den heiligen Berg für Gläubige aus aller Welt so besonders?

Unter den Hunderten Vermissten nach der verheerenden Flut im Himalaya sind viele Menschen, die auf dem Weg zu einem der heiligsten Orte Asiens waren. Der Mount Kailash in Tibet zieht jedes Jahr Tausende Pilger an – auch vier Deutsche, von denen seit der Katastrophe jede Spur fehlt. Sie waren auf dem Rückweg von dem Berg und dem Manasarovar-See in Tibet, als der Kontakt zu ihnen abriss. 

Was macht den Mount Kailash so besonders?

Für Millionen Menschen ist der fast 6.700 Meter hohe Kailash ein Ort von großer spiritueller Bedeutung. Er gilt Hindus, Buddhisten, Jains und Anhängern der tibetischen Bön-Tradition gleichermaßen als heiliger Berg. Für Hindus ist er der Wohnsitz des Gottes Shiva und der Göttin Parvati, Buddhisten verbinden ihn mit dem mythischen Berg Meru, dem Zentrum der Welt. Aber auch viele Ausländer aus dem Westen pilgern jedes Jahr in die abgelegene Hochgebirgsregion.

Es herrscht aber ein striktes Besteigungsverbot. Die Pilger umrunden den Berg hingegen auf einer rund 50 Kilometer langen Strecke – die sogenannte Kailash-Kora. Die mehrtägige rituelle Umrundung soll von Sünden reinigen und spirituelle Verdienste bringen. 

Hindus und Buddhisten gehen traditionell im Uhrzeigersinn um den Berg, Anhänger der Bön-Tradition in die entgegengesetzte Richtung. Bön ist eine uralte, vorbuddhistische Religion, die eigene Götter, Rituale und Vorstellungen von einer beseelten Natur bewahrt hat – etwa Flüssen, Bergen und Bäumen.

Heiliger Manasarovar-See in der Nähe

Der Kailash liegt im Westen Tibets und ist wegen seiner abgelegenen Lage nur schwer erreichbar. Nicht weit entfernt befindet sich der ebenfalls heilige Manasarovar-See. Viele Pilger baden in seinem Wasser oder führen an seinem Ufer Reinigungsrituale durch. Zahlreiche Reisende verbinden die Pilgerreise zum Berg mit dem Besuch des Sees.

Viele internationale Gäste reisen über Nepal an. Besonders beliebt sind organisierte Reisen, wie sie etwa der indische spirituelle Lehrer Jaggi Vasudev, bekannt als Sadhguru, anbietet. 

Seine Isha Foundation organisiert regelmäßig Pilgerfahrten zum Kailash. Einer solchen Gruppe mit fast 80 Teilnehmern sollen auch vier Deutsche angehört haben. Seit der Katastrophe gibt es keinen Kontakt mehr. Die Sturzflut zerstörte am Mittwoch wichtige Straßen und Grenzverbindungen, über die Pilger normalerweise zwischen Nepal und Tibet reisen.

Quelle: dpa

 

Das könnte Dich auch interessieren

29.08.2026 «Ist da jemand?» - Verzweifelte Suche im Himalaya Rund 3.000 Menschen werden nach der Katastrophe im Himalaya noch vermisst, darunter mehrere Deutsche. Retter suchen unter schwierigsten Bedingungen im Schlamm. Und es gibt neue Gefahren. 28.08.2026 Himalaya-Sturzflut: Über 500 Tote, deutsche Familie gerettet Nach der Sturzflut im Himalaya steigt die Zahl der Toten. Noch immer werden rund 2.500 Menschen vermisst - aber eine deutsche Familie ist in Sicherheit. Nun droht eine weitere Gefahr in der Region. 27.08.2026 Bergsteiger-Legende Messner: Leid in Nepal «herzzerreißend» Reinhold Messner zeigt sich nach der Sturzflut in Nepal betroffen. Der Bergsteiger war selbst unzählige Male in dem Land und bestieg Berge im Himalaya. Er setzt einen emotionalen Instagram-Post ab. 27.08.2026 Dalai Lama bestürzt über Flutkatastrophe in Nepal und China Das Glaubensoberhaupt des tibetischen Buddhismus, der Dalai Lama, zeigt sich betroffen von der tödlichen Sturzflut in Nepal und China. In seiner Botschaft erahnt er eine tieferliegende Ursache.