Kanzlerkrise

Harald Schmidt verteidigt Friedrich Merz

15. September 2026 , 05:23 Uhr

Friedrich Merz hat gerade keine gute Presse. Aber jetzt bekommt er unerwartet Schützenhilfe von einem «Chef-Zyniker». Sein Rat: Der Kanzler sollte in die Offensive gehen.

Harald Schmidt (69) lehnt Rücktrittsforderungen an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ab. «Ich hoffe, dass er die Legislaturperiode durchsteht», sagte der Entertainer der Deutschen Presse-Agentur in Köln. Für Schmidt, der viele Jahre eine Late-Night-Show moderierte und als «Chef-Zyniker» bekannt war, ist Merz in einer ähnlichen Situation wie viele andere westliche Regierungschefs: «Nennen Sie einen Regierungschef, der nicht zu Hause Probleme bis unters Dach hat.» Vermutlich sei beim Arktis-Gipfel in Finnland bei jeder Gelegenheit gesagt worden: «Du wirst auch gleich abgewählt, gehen wir einen trinken!» 

«Süße kleine Themen, die wir uns hier leisten»

Die Medien hätten sich auf die Linie festgelegt, dass Merz es nicht könne. In einer solchen Situation habe es ein Politiker sehr schwer. Schmidt nannte als Beispiel Merz‘ Sommerurlaub. «Das ist so kleinkariert. Geht er in Urlaub, heißt es, er war zu lange in Urlaub. Geht er nicht in Urlaub, heißt es, er braucht mal Urlaub.» Wäre er der Berater von Merz, würde er ihm raten, in die Offensive zu gehen: «Ich würde den Kanzler viel mehr sagen lassen: „Ihr könnt froh sein, dass ich den Job mache. Ich ziehe das jetzt alles durch.“» Vielleicht könnte es dann für ihn sogar eine Wende zum Besseren geben. 

Die Fokussierung auf die angebliche Kanzlerkrise sage sehr viel über Deutschland aus. «Das sind süße, kleine Themen, die wir uns hier leisten. Das kann nur jemanden beschäftigen, der schon lange keine Nachrichten mehr gesehen hat. Egal auf welchem Endgerät.» 

Schmidt verwies auf das Treffen der Brics-Staaten in Neu-Delhi. «Wenn ich sehe, mit welch guter Laune sich Putin, Modi, und Xi Jinping da die Hand reichen. Und gleichzeitig warnen die KI-Bosse: „Ihr Lieben, es könnte früher Schluss sein als gedacht.“ Während wir hier also die Schnuckiputzi-Tour fahren, ist ein Großteil der Welt bereits dabei, sich für die Zukunft zu rüsten.»

Quelle: dpa

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