Harald Schmidt (69) bezweifelt, dass Hendrik Wüst (CDU) ein besserer Kanzler wäre als Friedrich Merz. Der NRW-Ministerpräsident sei für ihn erkennbar «an der Hand am Kinderwagen», sagte der Entertainer der Deutschen Presse-Agentur in Köln. Er spielte damit darauf an, dass Wüst schon mal mit Kinderwagen vor die Kameras tritt.
Schmidt gibt jedoch zu bedenken: «Es ist ein Unterschied, ob mir einer in Dülmen den Kinderwagen in den Weg schiebt für ein Foto oder ob ich sage: „Xi Jinping ist am Telefon, er will dich mal sprechen.“» Die CDU erwarte offenbar Wunder von einem Kanzlertausch, doch Wüst würde in Berlin «exakt in dieselben Probleme einsteigen» wie Merz. Insgesamt sehne man sich in Deutschland offenbar nach einem Messias – ein weiteres Beispiel dafür seien die übersteigerten Erwartungen an Bundestrainer Jürgen Klopp: «Der Bedarf an Messiassen ist enorm.»
Seit Wochen wird über einen möglichen Kanzlertausch spekuliert. Als mögliche Nachfolger von Merz werden Wüst und der bayerische Regierungschef Markus Söder (CSU) gehandelt.
Schmidt rät Merz und der CDU dazu, den Reformkurs weiterzuführen. Nach dem Motto: «Ihr könnt mich mal, ich ziehe das jetzt einfach durch.» Dass Reformen am Ende honoriert würden, sehe man an Altkanzler Gerhard Schröder (SPD). Zwar sei dieser kurzzeitig aufgrund seiner russlandfreundlichen Haltung in Ungnade gefallen, doch mittlerweile werde er mit Hinweis auf seine Agenda 2010 wieder überall als Vorbild gewürdigt: «Gerhard Schröder, jetzt wieder Hero. Er war der Letzte, der noch Reformen durchgesetzt hat. Ohne Rücksicht auf die eigene Karriere. Das müsste der Kanzler jetzt machen.»
Auch infolge der Reformagenda 2010 war es 2005 zu vorgezogenen Neuwahlen gekommen, bei denen Schröder die Mehrheit für eine Wiederwahl verloren hatte. Seine Arbeitsmarkt- und Sozialreformen gelten jedoch als Basis für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands während der langen Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU).
Quelle: dpa