Erkrankungen auf Schiff

Fünf Hantavirus-Infektionen - WHO: Ausbreitungsrisiko gering

07. Mai 2026 , 20:21 Uhr

Der Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff hat internationale Folgen. Drei Menschen starben, auch eine Deutsche, mehrere wurden infiziert. Doch das Schiff machte auch einen Zwischenstopp.

Der Ausbruch des Hantavirus bei einer Kreuzfahrt löst in immer mehr Ländern Sorgen aus. Bei einem Zwischenstopp des Schiffes «Hondius» hatten noch nach dem ersten Todesfall 29 Passagiere das Schiff verlassen. Sie kamen aus etwa zwölf Ländern, darunter auch Deutschland, teilte der Reiseveranstalter Oceanwide Expeditions mit.

«Dies ist eine ernste Lage, aber die WHO betrachtet das Risiko für die öffentliche Gesundheit als gering», sagte der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. Weil die Inkubationszeit sechs Wochen dauert, schließt die WHO weitere Fälle nicht aus.

«Dies ist nicht der Beginn einer Pandemie», betonte die amtierende Nothilfekoordinatorin, Maria van Kerkhove. Ein Vergleich mit dem Start der Coronapandemie vor sechs Jahren sei nicht angebracht. «Dies ist ein ganz anderes Virus», sagte van Kerkhove. «Es handelt sich um einen Ausbruch auf einem Schiff. Das ist ein begrenzter Raum. (…) Das ist nicht dieselbe Situation wie vor sechs Jahren. Dieses Virus verbreitet sich nicht auf dieselbe Weise wie Coronaviren.»

Fünf Infektionen nachgewiesen

Bei fünf Infizierten sei das Hantavirus inzwischen nachgewiesen worden, so die WHO. Dazu kämen drei Verdachtsfälle. Drei Personen sind verstorben – ein älteres niederländisches Ehepaar und eine deutsche Frau. Dem Patienten auf der Intensivstation in Südafrika geht es nach Angaben der WHO besser, zwei Crew-Mitgliedern, die in Amsterdam behandelt werden, seien stabil. Es handelt sich um einen Niederländer (41) und einen Briten (56).

Sie waren zusammen mit einer Deutschen am Mittwoch vom Schiff evakuiert worden. Die 65-jährige Frau ist in Düsseldorf im Krankenhaus. Sie hatte zu einem der Opfer an Bord des Schiffes engen Kontakt. Sie hat nach Angaben der Behörden aber keine Symptome. Bei einer Stewardess, die mit einem der ersten Opfer in Kontakt war, sei das Virus bislang noch nicht nachgewiesen, sagte van Kerkhove. Sie ist in Amsterdam im Krankenhaus.

Die Stewardess hatte sich um die infizierte Frau gekümmert, die mit einem KLM-Flug von Johannesburg nach Amsterdam fliegen wollte. Doch die Crew hatte sie wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes nicht mitgenommen. Die Frau starb einen Tag später im Krankenhaus. Die niederländischen Gesundheitsbehörden haben nach eigenen Angaben Kontakt zu allen Personen an Bord des KLM-Fluges aufgenommen.

«Hondius» unterwegs nach Teneriffa

An Bord des Kreuzfahrtschiffes zeigt nach Angaben der WHO niemand zurzeit Symptome einer Infektion. Es hat Kurs auf Teneriffa auf den Kanarischen Inseln genommen und soll am Wochenende im Hafen von Granadilla im Süden der Insel ankommen. Auch für die Bewohner der Kanarischen Inseln sei die Gefahr gering, betonte Tedros. Es würden alle erdenklichen Maßnahmen getroffen, um weitere Ansteckungen zu verhindern.

Das Schiff fährt unter niederländischer Flagge und hat knapp 150 Menschen an Bord. Es lag tagelang vor Kap Verde vor Anker, durfte dort aber nicht anlegen, als der Verdacht von Hantavirus-Infektionen an Bord aufkam. 

Zwischenstopp auf St. Helena

29 Passagiere des Kreuzfahrtschiffes hatten am 24. April auf der britischen Insel St. Helena im Süden des Atlantischen Ozeans das Schiff verlassen. Das war den Angaben zufolge gut zehn Tage vor der Bestätigung des ersten Hantavirus-Falls.

Auch die niederländische Frau, die wenig später in Johannesburg an dem Virus starb, verließ auf der Insel das Schiff. Etwa zwei Wochen zuvor war bereits ihr Mann an Bord gestorben. Zum Zeitpunkt des Zwischenstopps war aber unklar, dass das Hantavirus möglicherweise die Ursache war. 

Auch ein Schweizer hatte in St. Helena das Schiff verlassen. Er ist jetzt ebenfalls mit dem Virus infiziert und befindet sich in einer Klinik in Zürich. Sein Zustand sei stabil, berichtet das Krankenhaus.

In Großbritannien befinden sich zwei Passagiere in Selbstisolation. Auch sie hatten das Schiff laut der Nachrichtenagentur PA auf St. Helena verlassen. Sie hätten den Behörden zufolge keine Symptome. 

Passagiere ohne Symptome

An Bord der «Hondius» befinden sich zwei auf Infektionskrankheiten spezialisierte niederländische Ärzte sowie zwei Epidemiologen, teilten WHO und der Veranstalter mit. Die Stimmung an Bord sei gut, sagte eine Sprecherin der Reederei. «Die Menschen fühlen sich sehr miteinander verbunden», sagte sie der Nachrichtenagentur ANP. 

Schiff soll auch auf Teneriffa nur vor Anker gehen dürfen

Auf Teneriffa sollen alle Menschen an Bord untersucht und getestet werden. Wenn sie keine Symptome aufweisen, könnten sie nach Angaben des Veranstalters in ihre Heimatländer zurückkehren. An Bord sind auch sechs Deutsche. Allerdings soll das Kreuzfahrtschiff nicht in den Hafen von Granadilla im Süden der Insel einlaufen und dort festmachen, sondern in der Nähe vor Anker gehen, wie der regionale Regierungschef der Kanaren, Fernando Clavijo, mitteilte und das Gesundheitsministerium in Madrid auf Anfrage bestätigte.

Clavijo, der die Genehmigung der Zentralregierung, die «Hondius» zu den Kanaren fahren zu lassen, scharf kritisiert hatte, sprach von einer «guten Nachricht». Passagiere und Crewmitglieder müssten so lange auf dem Schiff bleiben, bis auf dem gut elf Kilometer entfernten Flughafen Teneriffa Süd ein Flugzeug für sie bereitstehe, fügte Clavijo hinzu. Erst dann würden sie mit kleinen Booten vom Kreuzfahrtschiff abgeholt. 

Unklar ist aber noch, wie die Heimreise von dort aus organisiert wird. Das britische Außenministerium bereitet der Nachrichtenagentur PA zufolge einen Charterflug vor, um symptomfreie Briten nach Hause zu bringen. 

Spanier sollen in Madrid in Quarantäne

Die 14 Spanier an Bord sollen von Teneriffa aus mit einer Militärmaschine nach Madrid geflogen werden und dort in dem Krankenhaus Gómez Ulla, das über eine Isolationsabteilung verfügt, in Quarantäne gehen. Gesundheitsministerin Mónica García sagte in einem Interview mit dem Sender Cadena Ser, sie rechne auf Freiwilligkeit der Betroffenen, notfalls bestünden aber auch die gesetzlichen Voraussetzungen für eine obligatorische Quarantäne. Die Länge dieser Isolierung hänge davon ab, wann die Menschen zuletzt Kontakt zu Infizierten gehabt hätten, fügte die Ministerin im Hinblick auf die lange Inkubationszeit von bis zu 45 Tagen hinzu. 

Zwar kann das Hantavirus mit Hilfe eines PCR-Tests oder eines Antikörpertests nachgewiesen werden. Diese Verfahren sind aber nicht absolut sicher. Quarantäne und Symptombeobachtung gelten daher als die sichersten Methoden, um eine mögliche Übertragung zu verhindern oder eine Infektion früh zu erkennen. Eine Impfung oder ein Medikament gegen Hantaviren gibt es derzeit nicht.

Argentinien sucht nach Ursprung der Infektionen

Forscher in Argentinien sollen nun die Frage nach dem Ursprung der Infektionen klären. In Ushuaia ganz im Süden des Landes, wo die «Hondius» am 1. April aus in See gestochen war, sollen Nagetiere einfangen und auf das Virus untersucht werden, wie die Regierung in Buenos Aires mitteilte.

Hantaviren werden meist durch infizierte Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich bei dem auf dem Kreuzfahrtschiff festgestellten Infektionen um den Andes-Typ des Virus. Das niederländische Paar, das die ersten Symptome zeigte und später an der Infektion starb, war nach Angaben der argentinischen Regierung bereits seit vergangenem Jahr in der Region unterwegs.

Quelle: dpa

 

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