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«Gentle Monster»: Das gelungene Cannes-Debüt von Jella Haase

16. September 2026 , 08:30 Uhr

Die deutsche Schauspielerin ermittelt in dem Drama «Gentle Monster» in einem Fall von Kindesmissbrauch und erzählt, was sie aus Gesprächen mit Polizisten gelernt hat.

Jella Haase kann auch ganz anders. Viele kennen die Berliner Schauspielerin als freche Chantal aus der «Fack Ju Göhte»-Reihe oder als Ex-DDR-Spionin in der Netflix-Serie «Kleo». Jetzt zeigt sie sich von einer deutlich ernsteren Seite. In dem vielschichtigen Drama «Gentle Monster» ermittelt die 33-Jährige als Polizistin in einem Fall von Kindesmissbrauch.

Vor einigen Monaten feierte der Film der österreichischen Regisseurin Marie Kreutzer («Corsage») im renommierten Cannes-Wettbewerb seine Weltpremiere. Für Haase war es ebenfalls ein besonderer Moment: Ihr erstes Mal in Cannes.

In «Gentle Monster» spielt sie die Sonderermittlerin Elsa Kühn bei der Münchner Polizei, die für den Bereich sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Pädokriminalität zuständig ist. Eines Tages steht sie mit einem Durchsuchungsbeschluss vor der Tür des jungen Paars Lucy und Philip Weiss (Léa Seydoux und Laurence Rupp), das einen kleinen Sohn hat.

Perspektive der Betroffenen, nicht des Täters

Ungläubig fragt Lucy anfangs: «Hast du eine Bank gehackt?» Doch die Ermittlungen gehen in eine andere Richtung. Der Vorwurf: Philip soll unter dem Deckmantel «Gentle Monster 87» kinderpornografisches Material auf seinem Computer gespeichert und weitergegeben haben. 

Regisseurin Kreutzer zeigt die Perspektive der Betroffenen, kein Psychogramm des Täters, was den Film so interessant macht. Die Kamera fängt Seydoux fast dokumentarisch ein, wie sie verzweifelt nach Antworten sucht, sich wütend, verletzlich und panisch zeigt. Sie will ihrem Mann glauben, der behauptet, er habe das Material nur zur Recherche für eine Doku oder für das Geld gesammelt. Hat er auch dem gemeinsamen Sohn etwas angetan?

«Gentle Monster» wirft die Frage auf, wie gut man einen nahestehenden Menschen wirklich kennt. Es geht um Loyalität und Verdrängung. Was sich nicht zuletzt an Haases Figur zeigt, der zweiten Erzählebene im Film, die ruhig etwas ausführlicher hätte sein können. Während Elsa beruflich sexualisierte Gewalt verfolgt, ist sie privat selbst mit männlicher Grenzüberschreitung konfrontiert – etwa im Umgang mit ihrem dementen Vater (Sylvester Groth), der seine weibliche Pflegekraft belästigt.

Was Haase durch Gespräche mit Polizisten gelernt hat

Haase sagte der Deutschen Presse-Agentur in Cannes, es sei schon schwierig gewesen, sich auf die Rolle von Elsa einzulassen, «weil es auch Figuren gibt, die einem näher liegen». Wenn es um ernste Themen gehe, spüre sie immer eine große Verantwortung, dem gerecht zu werden. Sie spielt die Ermittlerin, die weiblichen Deutschrap hört und abends zockt, nüchtern und abgeklärt, gleichzeitig aber auch empathisch. In Vorbereitung auf die Rolle habe sie mit Polizistinnen und Polizisten sprechen dürfen, die im Bereich Pädokriminalität ermitteln.

«Die haben uns eben erklärt, wie viel sie zu tun haben und dass es leider zum Alltag gehört. Fall nach Fall, Schicksal nach Schicksal. Dadurch ist mir die Dimension erst bewusst geworden und klar geworden, wie genau man hingucken muss und wie präventiv man agieren muss. Wie man Kinder vielleicht darüber aufklärt: Was ist eigentlich eine Grenze? Wer darf mich eigentlich anfassen, wer darf mir über den Kopf streicheln?»

Im Film jedenfalls fragt Lucy sie an einer Stelle, wie sie ihren Beruf aushalte. Elsas Antwort: «Es ist der beste Job, den ich jemals hatte. Es ist der Erste, der Sinn macht».

Quelle: dpa

 

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