Leipziger Buchmesse

Farbenfroh und detailverliebt: Cosplay hinter den Kulissen

28. Februar 2026 , 04:00 Uhr

Leder, Perlen und goldene Farbe: Mit Herzblut und Kreativität arbeitet Toni seit Monaten an ihrem neuen Kostüm für die Leipziger Buchmesse. Ein Einblick in die bunte Welt des Cosplays.

Gewissenhaft bemalt Toni die Spitzen der ledernen Federn ihres Cosplays. Seit Monaten besteht ihre Freizeit nur noch aus dem Kostüm: skizzieren, Schablonen anfertigen, ausschneiden, nähen, sticken und verzieren. Alles in liebevoller Handarbeit. Der Weg bis zum finalen Kostüm ist weit, doch für Toni ist das Ganze nicht nur ihr Hobby – es ist ihre Leidenschaft.

Zwischen sechs und sieben Monaten arbeitet die studierte Künstlerin an einem Kostüm, bis zu 300 Euro fließen in ihre Outfits. Noch knapp drei Wochen hat die Leipzigerin Zeit. Dann beginnt die Leipziger Buchmesse, und mit ihr strömen wieder Hunderte Cosplayer in die Messestadt. 

Das Wort Cosplay setzt sich aus «costume» und «play» zusammen: also Spiel im Kostüm. Doch für die Szene ist Cosplay mehr als das reine Verkleiden. Es gehe darum, den Habitus des Charakters zu verkörpern, erklärt Toni. 

Federkleid aus Leder und Fell 

Tonis Cosplay in diesem Jahr soll Teil des «Sleep-Token»-Universums werden. Die britische Band zeigt sich mit weiß, bunt verzierten Masken, schwarz angemalten Körpern und passendem Outfit bei ihren Bühnenshows. Davon inspiriert entwickelte die 33-Jährige ihren eigenen Charakter innerhalb dieser Welt: einen sogenannten OC, original character. «Die meisten sind mit Harry Potter aufgewachsen, und man hat sich vorgestellt, wie wäre man selber in dieser Welt, und das ist praktisch ein OC», erklärt Toni. 

Das Kostüm ihres Charakters setzt sich aus verschiedenen Materialien zusammen. Federn wurden einzeln aus Leder und einem Fellimitat ausgeschnitten und aufgenäht. In fast jede Feder wurde eine Perle eingearbeitet, Nieten und Borten geben den Kleidungsstücken mehr Tiefe. 

Ein Teil ihres Kostüms hängt bereits fertig über einer Schneiderpuppe. Perlen reihen sich über die handbestickten Nähte, kleine Tierzähne wurden einzeln in die Ziernaht an der Schulter eingearbeitet. «Ich suche gern Sachen auf Flohmärkten», sagt Toni. Den Rest besorge sie sich in Stoffläden oder im Internet. 

Die Utensilien für ihre Basteleien haben sich bei ihr über die Jahre angesammelt: Zahlreiche Pinsel, Stifte und Scheren stehen neben ihrem Arbeitstisch. Ob Ornamente aus Epoxidharz oder Masken aus einer leichten Modelliermasse: Toni fertigt fast alles in Kleinstarbeit per Hand an – wie viele andere Cosplayer. «Bei mir ist es halt so, dass ich eher Nischensachen mache», sagt Toni. «Ich muss fast alles selber machen, weil es das nicht zu kaufen gibt.»

Soziale Netzwerke als Quelle der Inspiration 

Aufgewachsen mit «Sailor Moon», einem animierten Manga, hat sie sich früh für die Welt der Animes interessiert. Heute arbeitet sie eher an Kostümen aus der Musikindustrie oder lässt sich von Fan-Art auf Social Media inspirieren. Alles beginnt bei ihr mit der Planung. «Das klingt sehr langweilig, aber nein, gute Planung kann einem auch mal den Arsch retten», sagt sie und lacht. Man müsse schließlich auch Lust haben, ein halbes Jahr an einem solchen Kostüm zu arbeiten. 

Bei sogenannten Fan-Art-Cosplays greift sie Zeichnungen und Grafiken von Fans zu bestimmten Serien auf und erweckt sie zum Leben. So sitzt sie aktuell auch an einem Kostüm zum Charakter «Derpy» von den «KPop Demon Hunters». Die Vorlage hat sie auf Instagram entdeckt. Das Projekt hebt sie sich jedoch für nach der Buchmesse auf. 

Bis zur Messe vom 19. bis 22. März sind es nur noch Details, an denen sie bei ihrem Cosplay zu «Sleep-Token» arbeiten möchte. Ein paar weitere Bestickungen in der Kapuze, weitere Malereien auf dem Stoff und etwas mehr Farbe, um dem Kostüm den letzten Schliff zu verleihen. Auf der Messe wird sie dann ihr finales Cosplay zeigen. 

Cosplay ist deutschlandweit beliebt

Vernetzt wird sich neben den Treffen auf den Conventions über Social Media. Hier werden bereits die ersten Line-ups geteilt: Was trägt man an welchem Tag? Wie vor jeder großen Convention, berichtet Toni. Conventions sind Treffen der Szene, häufig mit Bühnenprogramm oder Signierstunden mit den jeweiligen Stars. Über das Jahr verteilt finden deutschlandweit mehrere solcher Conventions statt. Ob in Dresden, Frankfurt, Erfurt oder Düsseldorf, wo nach eigenen Angaben die größte Convention in Deutschlands stattfindet: Cosplayer finden viele Bühnen, um ihren Charakter zu präsentieren. 

Die Leipziger Buchmesse profitiert seit Jahren von den bunten Cosplayern. Schon bevor die Manga Comic Con (MCC) 2014 in Leipzig startete, konnten Besucherinnen und Besucher zahlreiche Cosplayer bestaunen, erklärt Felix Wisotzki, Sprecher der Leipziger Buchmesse. Mit dem offiziellen Start der MCC wurde die Messe unter den Cosplayern beliebter und ist seit Jahren ein Treffpunkt der Szene. Sehen und gesehen werden, die Kostüme der anderen bewundern, in Kontakt treten. Darum geht es bei den Conventions. 

Beliebt sind die schrillen Kostüme nicht nur untereinander, auch Außenstehende betrachten gern mal die detaillierten Outfits. Schnell ist da das Handy gezückt und ein Foto wird von den Cosplayern gemacht. Das kritisiert Toni. Gern würde sie für Bilder bereitstehen, doch bitte solle man vorher fragen. Wie ein Tier im Zoo fühlten sich auch Cosplayer ungern.

Quelle: dpa

 

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