Sechs Jahre U-Haft

Ex-Wirecard-Chef: Isolation von der Familie am schwersten

08. Juli 2026 , 16:48 Uhr

Ex-Wirecard-Chef Markus Braun sitzt seit sechs Jahren in U-Haft hinter Gittern. Im Prozess gibt er Einblick in sein Seelenleben.

Der wegen Milliardenbetrugs angeklagte Ex-Wirecard-Chef Markus Braun fühlt sich nach sechs Jahren U-Haft einsam, aber ungebrochen. Er sei «weiter sehr energetisch», sagte der österreichische Manager am 270. Verhandlungstag des Münchner Wirecard-Prozesses. Der von vielen Kleinaktionären ehedem als Börsenstar verehrte Braun schilderte die U-Haft jedoch als sehr belastend und sprach von «Einsamkeit und Isolation». «Die Hauptherausforderung ist, dass man komplett aus der Familie herausgerissen ist.»

Braun will wieder arbeiten 

Braun sitzt seit Juli 2020 ununterbrochen in Untersuchungshaft, seine Hauptbeschäftigung ist der seit mittlerweile dreieinhalb Jahren laufende Strafprozess vor dem Landgericht München I. Nach dem Ende der Haft will der 1969 geborene Manager wieder arbeiten: «Ich habe überhaupt keine Zweifel, dass ich in kürzester Zeit wieder etwas Konstruktives machen würde», sagte er bei einer Befragung zu seinen persönlichen Verhältnissen.

Der Hauptangeklagte in dem Mammutprozess ist mittlerweile geschieden, aber nicht wegen Entfremdung, sondern aus «anderen Gründen» – eine Anspielung auf die straf- und zivilrechtlichen Folgen des Wirecard-Skandals. «Das Verhältnis zu meiner Frau und Familie ist unverändert stark.»

Einmal im Monat Familienbesuch 

Der in der Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim einsitzende Braun erhält demnach einmal im Monat Besuch von seiner acht Jahre alten Tochter und seiner Frau. Auch der eintönige Gefängnis-Alltag macht Braun nach eigenen Worten zu schaffen: «Dass man sich nicht emotionalisieren lässt und immer wieder in einen konstruktiven, rationalen Zustand zurückfindet, ist eine tägliche Herausforderung.»

Die Staatsanwaltschaft hält Braun für den Haupttäter im Wirecard-Skandal, dem mutmaßlich größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte. Braun und seine Komplizen sollen über Jahre Umsätze in Milliardenhöhe erdichtet und die Konzernbilanzen entsprechend frisiert haben, um den eigentlich defizitären Konzern mit Hilfe hoher Bankkredite über Wasser zu halten. Den mutmaßlichen Schaden bezifferte die Staatsanwaltschaft in der Anklage auf gut drei Milliarden Euro.

Richter steuert Ende des Prozesses an

Braun bestreitet die Vorwürfe und sieht sich als Opfer einer Betrügerbande um den abgetauchten früheren Vertriebsvorstand Jan Marsalek. Braun sitzt gemeinsam mit zwei weiteren früheren Wirecard-Managern auf der Anklagebank, einer der beiden beschuldigt den früheren Konzernchef als Mittäter und -wisser. Termine für Plädoyers und Urteil gibt es bisher nicht.

Der Vorsitzende Richter Markus Födisch forderte die Verteidiger jedoch auf, sich mit der Kammer für die Planung der Schlussphase des Verfahrens zusammenzusetzen und sich Gedanken zu machen, wie viel Zeit für die Plädoyers benötigt wird. Die Kammer hatte ursprünglich einmal gehofft, den Prozess Ende vergangenen Jahres abschließen zu können.

Quelle: dpa

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