Fußball-Nationalmannschaft

«Nicht gut genug»: Griechen crashen Klopps Heimdebüt

27. September 2026 , 23:44 Uhr

Das hatten sich die Fans und auch der neue Bundestrainer ganz anders vorgestellt. Beim Heimdebüt von Jürgen Klopp verliert die DFB-Auswahl in Augsburg gegen Griechenland.

Sichtlich konsterniert gratulierte Jürgen Klopp seinem griechischen Trainerkollegen. Seine Spieler schickte er danach sehr schnell zu den Fans, um sich wenigstens für die große Unterstützung zu bedanken. Ausgerechnet bei Klopps Heimdebüt hat die Aufbruchstimmung rund um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft einen herben Dämpfer erhalten. 0:1 (0:0) gegen Griechenland – da hatten die DFB-Fans im ausverkauften Augsburger Stadion etwas ganz anderes erwartet. Erstmals überhaupt verlor Deutschland gegen den Europameister von 2004!

«Es ist Teil des Prozesses, absolut», sagte Klopp in der ARD. «Die Aufstellung, die Zusammensetzung, die vielen Wechsel – das geht alles zu 100 Prozent auf meine Kappe.» 

Beim unermüdlichen Anrennen auf den griechischen Abwehrblock fehlte zunächst offensiv die Klasse. Und dann ging nach der Pause plötzlich die defensive Stabilität verloren. Das nutzten die Gäste vor 28.945 Zuschauern durch Dimitrios Kourbelis zum Siegtor. Der Schuss des Mittelfeldspielers von Asteras Tripolis fälschte Kapitän Joshua Kimmich in der 74. Minute auch noch unglücklich und unhaltbar für Alexander Nübel ins Tor ab.

«Das war kein einfaches Spiel. Um ehrlich zu sein, haben wir es einfach nicht gut genug gemacht», sagte Abwehrchef Jonathan Tah in der ARD. «Natürlich sind wir enttäuscht und sauer, wenn wir ein Spiel verlieren. Aber das Wichtige ist, dass wir zusammenstehen. Das wird sich nicht ändern, die Euphorie mit dem neuen Trainer. Wenn wir kein gutes Spiel machen und verlieren, ist es klar, dass nicht alle happy sind. Aber das können wir im nächsten Spiel wiedergutmachen.»

Ein Punkt nach zwei Nations-League-Partien

Nach zwei Partien in der Nations League liegt die DFB-Auswahl in Gruppe 2 mit einem Punkt schon fünf Zähler hinter Tabellenführer Griechenland nur auf Platz drei. Das ist ernüchternd – der Bundestrainer geht mit reichlich Arbeit in die zweite Länderspielwoche. 

Im Laufe des Tages war es im DFB-Quartier in Herzogenaurach bereits zum großen Bettenwechsel gekommen. Der zweite Teil von Klopps XXL-Kader um Länderspiel-Neulinge wie Kölns Said El Mala, Mika Baur von Celtic Glasgow, Brentford-Profi Vitaly Janelt oder den Elversberger Felix Keidel reiste für die weiteren zwei Partien gegen Serbien am Donnerstag in München und drei Tage später beim schnellen Rückspiel gegen die Griechen in Thessaloniki an.

Am Abend saßen die Neuankömmlinge in Augsburg als Zuschauer auf der Tribüne, um Daumen zu drücken und die veränderte Spielweise unter Klopp live in Augenschein nehmen zu können. Sie erlebten auch, dass der Bundestrainer seine große Personalsichtung konsequent fortführt. Etwa mit Bambasé Conté, der diesmal in der Startelf debütieren durfte. 

«Ich habe Riesenbock, zu spielen», sagte der 23 Jahre alte Hoffenheimer bei der Ankunft im Stadion in der ARD. Der Mittelfeldspieler war es dann auch, der in der 2. Minute den ersten Schuss aufs Tor abgab. Aber auch die Griechen, die mit einem 2:1 in Serbien in die Nations League gestartet waren, meldeten sich mit einem gefährlichen Abschluss des Dortmunders Konstantinos Karetsas früh im Spiel an. 

Keine Lücken im tiefen Abwehrblock

Was folgte, war ein zähes Anlaufen gegen den tiefen Verteidigungsblock. Kapitän Joshua Kimmich war der emsige Ballverteiler, aber Lücken taten sich nicht auf. Kevin Schade agierte bei einem Konter erst dynamisch und dann zu zögerlich.

Erst als Karim Adeyemi für ihn auf den linken Flügel wechselte, tat sich mehr. Der zum FC Barcelona gewechselte Ex-Dortmunder schoss erst nach einem Sololauf drüber (27.). Seinen wuchtigen Distanzschuss kurz davor konnte Keeper Kostas Tzolakis halten (32.).

Fazit zur Pause: Nach vorn blieb noch vieles Stückwerk. Hinten brannte wenig an. Alexander Nübel musste in seinem vierten Länderspiel kaum eingreifen. Die neu in die Verteidigung gerückten Yann Aurel Bisseck und Josha Vagnoman erledigten ihren Job ordentlich. Im Vorwärtsgang aber musste mehr kommen. 

Erstmals nach 25 Jahren gab es wieder Stehplätze bei einem Länderspiel. Und auf das Tor mit den stehenden Anhängern, die für die Stimmung sorgten, griff die DFB-Elf nach der Pause an. Und wieder war es Debütant Conté, der nach einer erfolgreichen Balleroberung abschloss. Tzolakis war aber wieder da (50.).

Und Griechenlands Torwart geriet noch mehr den Fokus: Einen Freistoß von Kimmich lenkte er noch zur Ecke (53.). Jetzt entstand eine Druckphase. Aus Standards entstand zu wenig. Nach 65 Minuten reagierte Klopp. Er brachte die nach den Verletzungen von Jamal Musiala und Kai Havertz vorzeitig aus Kader zwei aktivierten Florian Wirtz und Jonathan Burkardt. 

 

Doch zunächst gab es einen Schreckmoment. Kimmich leistete sich einen schlimmen Ballverlust in der eigenen Hälfte, aber Fotis Ioannidis nahm die Einladung zum 0:1 nicht ein, sondern schoss links am DFB-Tor vorbei (67.). 

Das Spiel wurde immer wilder, die Ordnung ging völlig verloren. Die deutschen Spieler fanden keine gemeinsamen Lösungen. Und die Griechen nutzten das aus. Das 0:1 bahnte sich mehrfach an, bis es durch Kourbelis fiel.

Quelle: dpa

 

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