Eine kleine Lichtung im Nationalpark Bayerischer Wald: Umgestürzte Bäume liegen entrindet auf dem Boden. Totholz. Dazwischen sprießen Bäumchen. An dieser Stelle in einem Waldstück nahe Spiegelau schädigte der Borkenkäfer 2023 zahlreiche Fichten. Nationalparkleiterin Ursula Schuster zeigt hier, wie das so harmlos ausschauende Insekt bekämpft wurde – und wie sich inzwischen die Natur verjüngt.
Anlass ist ein Fachgespräch mit Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sowie Vertretern der Bayerischen Staatsforsten, der Forstverwaltung und der privaten Waldbesitzer. Sie wollen sich über die aktuelle Lage im Kampf gegen den Borkenkäfer informieren – und die ist in diesem Sommer entspannt. Bereits 2024 und 2025 hatten sich die Fachleute zum Austausch über Lösungen für die Probleme mit dem Schädling im Bayerischen Wald getroffen.
Zurzeit liegt so wenig Schadholz in den Landkreisen Freyung-Grafenau und Regen herum wie seit langem nicht. Das gilt sowohl im Bereich des Nationalparks als auch in den umliegenden Privat- und Staatswäldern. Die Borkenkäfer-Saison dauert etwa bis November.
Im Bereich des Nationalparks werden aktuell rund 4000 Festmeter – also Kubikmeter feste Holzmasse ohne Zwischenräume – an Schadholz auf den Borkenkäfer zurückgeführt. Im gesamten Jahr 2025 waren es rund 7000 Festmeter. Die Menge sei so gering wie seit einem Vierteljahrhundert nicht, sagt die Leiterin des Nationalparks. Im Rekord-Schadensjahr 2023 hatten sich dort gar 144.000 Festmeter Käferholz angehäuft.
Auch die Staatsforsten stellen einen Rückgang fest. Waren es 2024 knapp 1,14 Millionen Festmeter Käferholz und somit rund 32,5 Prozent des gesamten Fichteneinschlages, sind es im bisherigen Jahr 2026 rund 164.000 Festmeter beziehungsweise etwa 8 Prozent.
Nach dem extremen Borkenkäfer-Jahr 2023 hatten Privatwaldbesitzer befürchtet, der Schädling springe aus dem Nationalpark auf angrenzende Wälder über. Etwa 75 Prozent der Fläche des Nationalparkes gelten als naturbelassene Schutzzone. Das heißt, dass dort der Borkenkäfer nicht bekämpft wird. Um diese Schutzzone gibt es einen Ring, die Managementzone, die 25 Prozent der Gesamtfläche ausmacht. Hier werden Maßnahmen gegen den Schädling ergriffen.
Zu diesen Maßnahmen zählen neben dem langfristigen Waldumbau hin zu Mischwäldern das regelmäßige Absuchen von Bäumen nach Bohrmehl, um Schädlingsbefall frühzeitig zu erkennen, sowie das Fällen und Abtransportieren bereits betroffener Bäume. Ein Lagebild ermöglicht auch das sogenannte Borkenkäfermonitoring der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Dabei werden die Käfer in Fallen gesammelt, um Hinweise auf eine beginnende Massenvermehrung zu bekommen. Auch hier sind die Zahlen aktuell rückläufig.
Gute Erfahrungen hat man im Nationalpark auch mit zwei Entrindungs-Varianten gemacht. So komme ein sogenannter Debarking-Harvester zum Einsatz, erklärt Parkleiterin Schuster. Anders als ein Harvester, der Bäume fällen und Äste entfernen kann, kann dieser den Stamm auch entrinden. So kann die Rinde im Wald und der Stamm als Totholz liegen bleiben, wenn er nicht zum Verkauf abtransportiert wird. Alternativ werden Bäume streifenförmig entrindet, wie Schuster erläutert. So können die Schädlinge dort nicht mehr nisten.
Bei diesen Methoden ist es den Angaben nach entscheidend, dass die Borkenkäfer sich noch im weißen Stadium als Eier, Larven oder Puppen befinden und flugunfähig sind. Dann können sie sich nicht weiterentwickeln und die Rinde kann im Wald bleiben.
Wärme und Trockenheit kommen dem Schädling generell entgegen: Wärme beschleunigt die Entwicklung der Larven – und Trockenheit schwächt die Bäume. Ein gesunder Baum kann sich mit Harz gegen Borkenkäfer wehren, aber wenn der Regen ausbleibt, geht das nicht mehr.
Dass sich die Maßnahmen der vergangenen Jahre auszahlen, liegt Minister Aiwanger zufolge auch daran, dass sich die Beteiligten im Kampf gegen den Borkenkäfer zusammengetan haben. Für Entwarnung sei es trotzdem zu früh. «Nach Hitze und Trockenheit sind viele Bäume geschwächt. Wir müssen aufmerksam bleiben, Befall früh erkennen, Käferholz konsequent aufarbeiten und zügig aus dem Wald bringen», sagte Aiwanger.
Auch Rudolf Plochmann, Vorsitzender bei den Staatsforsten, sprach von einem wellenförmigen Verlauf. Es werde wieder steigende Käfer-Populationen geben. Der trockene Sommer sei Stress für den Wald gewesen. Nun komme es auf das nächste Jahr an. «Wir sollten uns noch nicht in Sicherheit wiegen.»
Quelle: dpa