SNCF

Eleganz-Leitfaden sorgt bei Frankreichs Bahn für Ärger

13. März 2026 , 01:00 Uhr

Make-up-Tipps und Figurtricks für Bahnpersonal? Die SNCF sorgt mit ihrem Eleganz-Leitfaden für einen handfesten Gewerkschaftsstreit – und zieht die Broschüre schnell wieder zurück.

Frankreichs Staatsbahn SNCF hat mit einer Bekleidungs-Etikette für ihre Beschäftigten Kritik von Gewerkschaften ausgelöst. In dem Leitfaden waren unter anderem Tipps zu Schminke und zur passenden Kleiderwahl je nach Figurtyp enthalten. Auch Mitarbeiter im TGV-Fernverkehr, die keine Uniform trugen, sollten demnach die «Élégance à la Française», die französische Eleganz, verkörpern, hieß es in der Bekleidungsfibel. Nach Angaben der SNCF wurde die Broschüre ohne Genehmigung verbreitet und inzwischen wieder zurückgezogen.

Eine Frau mit einer dreieckigen Körperform sollte «enge Röcke und voluminöse Taschen an den Hüften» vermeiden und stattdessen «ein helles oder farbiges Oberteil, eine strukturierte Jacke, Schulterpolster oder einen breiten Kragen» bevorzugen, um «die Silhouette im Oberkörperbereich auszugleichen», zitierte der Sender BFMTV aus der 40-seitigen Bekleidungs-Etikette. Ein eher rundlicher Mann sollte «dunkle Oberteile wählen» und «Jacken, die die Hüften bedecken», um «die Silhouette zu verlängern und optisch zu verschlanken».

Gewerkschaft empört über Einteilen von Menschen in Körpertypen

Die Gewerkschaft Sud-Rail bezeichnete den «TGV Eleganz-Leitfaden» als eine Schande. Der Arbeitsvertrag schreibe für einen Teil der Eisenbahner das Tragen einer Uniform vor, aber nicht das Anpassen ihrer Silhouette und ihres Aussehens an ästhetische Anforderungen der Bahn. Das Einteilen von Menschen in verschiedene Körpertypen, die teils «korrigiert» oder «wieder ins Gleichgewicht» gebracht werden müssten, suggeriere, dass manche Figur als «problematisch» betrachtet werde. «Diese Art von Äußerungen sind sowohl sexistisch als auch fettfeindlich.» Schmink- und Schönheitstipps in der Broschüre ließen an die Sechzigerjahre denken.

SNCF-Fernverkehrschef Alain Krakovitch ließ den Leitfaden sofort zurückziehen. «Das entspricht weder unseren Werten noch unseren Methoden gegenüber unseren Mitarbeitern», schrieb er auf der Plattform X. Eine interne Untersuchung solle nun sicherstellen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole.

Quelle: dpa

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