Basketball

«Elefant im Raum»: NBA-Projekt in Europa gibt Rätsel auf

22. September 2026 , 08:42 Uhr

Im Herbst 2027 möchte die NBA Europe loslegen. Doch bislang sind viele Fragen ungeklärt. Die europäischen Topclubs könnten in den kommenden Monaten umworben werden wie noch nie.

Gemessen am Starttermin sind für das spannendste Basketball-Projekt der jüngeren Vergangenheit noch sehr viele Fragen ungeklärt. In ziemlich genau einem Jahr will die NBA in Europa loslegen und das schillerndste Produkt ihres Sports auf einem neuen Kontinent etablieren. Doch bisher stehen weder Modus noch Teilnehmer fest – und erst recht nicht, was aus dem bisherigen Premiumwettbewerb Euroleague wird.

«Die NBA Europe ist der Elefant im Raum. Ich weiß auch nicht viel mehr als ihr. Es gibt noch mehr offene Fragen als Antworten», sagte Bundesliga-Boss Stefan Holz dieser Tage zu Journalisten. Wenn es im Oktober 2027 wirklich losgehen soll, bleibt nicht mehr viel Zeit, um entsprechende Strukturen aufzubauen – und um eine Einigung mit der privatwirtschaftlichen Euroleague hinzubekommen.

Euroleague bald mit 24 Teams?

Die legt in dieser Woche wieder mit ihrem XXL-Betrieb los: Mit 20 Teams, darunter auch Dubai, 38 Spieltagen – und einem großen Selbstbewusstsein. Die Botschaft Richtung Amerika lautet: Wir sind selbst stark. «Wir haben einen Plan, die Pyramide zu vergrößern und das Ökosystem auszubauen; wir werden keinen schlechten Deal abschließen. Die Frage ist, was sie zu bieten haben», sagte Euroleague-Geschäftsführer Chus Bueno jüngst in einer Medienrunde.

Die Euroleague ist eine funktionierende Maschine und hat sich im Laufe der Jahre massiv entwickelt. Zuletzt klang sogar durch, die derzeitige Königsklasse auf dem Kontinent peile eine Erweiterung auf 24 Teams an. So könnte der Wettbewerb noch wertvoller werden und an sportlichem Reiz gewinnen. Was kann die NBA dem entgegensetzen?

Alba will bei NBA Europe «mitgestalten»

Liga-Boss Adam Silver setzt auf eine Verständigung und einen Zusammenschluss der beiden Wettbewerbe. Dies wäre «das beste Resultat», sagte Silver bereits im Frühjahr, «zum Wohle des europäischen Basketballs, um den Sport in ganz Europa zu fördern». Nach dpa-Informationen haben 20 bestehende Fußball- und Basketball-Clubs ihre Gebote für die NBA Europe eingereicht. Bewerber gibt es also offensichtlich genug. 

Aber die Interessenten wissen aktuell selbst nicht, woran sie sind. Manager Marco Baldi rätselte jüngst über den straffen Zeitplan und sprach von einem «komplizierten Prozess». Aufsichtsrat Axel Schweitzer sagte: «Wir wollen gerne ein Teil der NBA sein. Gleichzeitig wollen wir aber nicht nur irgendein Team sein. Wir wollen zentraler Teil sein und mitgestalten.» Im Gespräch ist eine Liga mit 16 Teilnehmern, darunter zwölf festen Teams.

Während der Meister aus Berlin kein Teil der Euroleague mehr ist und sich voll auf einen möglichen NBA-Start konzentrieren kann, gehört der FC Bayern zur europäischen Premiumliga – und ist gleichzeitig eines der begehrtesten Ziele für die NBA und ihre Pläne. 

London, Paris und Man United als Kandidaten

«Ich glaube auch – ohne jetzt zusätzlich selbstbewusst klingen zu wollen – dass eine internationale Liga, sei es eine NBA Europe, sei es die Euroleague, ein Interesse daran haben wird, dass der FC Bayern Basketball daran teilnimmt», sagte der neue Münchner Sportchef Torsten Leibenath. 

Bayerns Geschäftsführer Adrian Sarmiento hält den Vorstoß der NBA für wertvoll, weil neue Märkte und Standorte einbezogen werden können. Gehandelt werden die Weltstädte London und Paris, aber auch europäische Fußball-Schwergewichte wie beispielsweise Manchester United. «Der europäische Basketball boomt richtig, im wahrsten Sinne des Wortes», sagte Sarmiento.

Einig sind sich die Protagonisten darüber, dass ein Wettstreit der Ligen keinen Sinn ergibt. Vor allem im Basketball nicht, wo Euroleague und Eurocup schon seit Jahren mit den vom Verband Fiba Europe organisierten Champions League und Europe Cup in direkter Konkurrenz stehen.

Wird die NBA «der große Sortierer»?

«Vier offizielle Wettbewerbe sind zu viel, sodass der allgemein Sportinteressierte nicht mehr durchblickt. Das tut der Sportart insgesamt nicht gut», sagte Holz. Die NBA sollte eigentlich «der große Sortierer» im komplizierten Wirrwarr der Wettbewerbe werden, wie der Bundesliga-Boss sagte. «Das sehe ich momentan noch nicht.»

Für Anfang Oktober sind in Mailand und am Comer See mehrere Treffen von Bossen der Euroleague-Clubs angekündigt. Bis dahin soll es auch einen Vorschlag von NBA-Seite geben. Geschäftsführer Bueno hat mehrmals betont, dass der Wettbewerb auch mit dem Europa-Ableger der NBA konkurrieren wird, falls das Angebot aus Amerika nicht attraktiv genug ist.

Quelle: dpa

 

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