Sanktionsbedingte Insolvenz

Deutsche Tochter des Moskauer Pharmakonzerns R-Pharm pleite

17. März 2026 , 15:26 Uhr

Der Ukraine-Krieg zieht wirtschaftliche Folgeschäden bis ins Allgäu nach sich.

Die deutsche Tochter des russischen Medikamentenherstellers R-Pharm hat Insolvenz angemeldet. Hauptgrund sind nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Markus Fröhlich die im Zuge des Ukraine-Kriegs verhängten Sanktionen der EU und die russischen Gegenmaßnahmen, die Kunden und Geschäftspartner verunsichert und sich negativ auf die Geschäftsentwicklung ausgewirkt hätten. Die in Illertissen im bayerischen Teil des Allgäu ansässige R-Pharm Germany hat 300 Mitarbeiter, der Betrieb läuft nach Angaben des Anwalts eingeschränkt weiter. Fröhlich hofft auf einen Investor, der das Unternehmen übernehmen könnte.

Das Unternehmen hat eine lange Historie: 1860 wurde die Produktion in Illertissen vom Ulmer Unternehmer Heinrich Mack eröffnet, in den ersten Jahrzehnten stellte die Fabrik Seife und Drogerieartikel her – bekanntestes Produkt war das noch in der Nachkriegszeit weit verbreitete «Kaiser Borax». Anfang der 1970er Jahre übernahm der US-Pharmakonzern Pfizer den Standort, 2014 dann R-Pharm. 

Kunden in 150 Ländern

Heute vertreibt das Unternehmen nach Angaben auf der Firmenwebseite Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel an 150 Kunden rund um die Welt. «Das sind grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine Sanierung, wenngleich die Ausgangssituation sicherlich nicht einfach ist», schrieb der vorläufige Insolvenzverwalter. In der Mitteilung des Juristen war auch die Gewerkschaft IG BCE zitiert, derzufolge die beiderseitigen Sanktionen dazu führten, dass es keinen gesicherten Geldfluss der in Moskau sitzenden Muttergesellschaft nach Illertissen mehr gab.

Während der Corona-Pandemie wollte R-Pharm in Illertissen eigentlich eine Produktion des russischen Impfstoffs Sputnik aufbauen, doch die Pläne zerschlugen sich.

Quelle: dpa

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