Nächste Olympia-Enttäuschung

Auch Edelfan Klopp hilft nicht: Biathleten in Staffel Vierte

17. Februar 2026 , 16:52 Uhr

Für die deutschen Biathleten bleibt bei der Siegerehrung wieder nur die Zuschauerrolle. Auch in der Staffel reicht es bei Olympia nicht zum Podium.

Auch die Unterstützung von Edelfan Jürgen Klopp brachte kein Glück: Die Medaillenflaute der deutschen Biathleten bei den Olympischen Winterspielen in Antholz geht weiter. In der Staffel mussten sich Justus Strelow, David Zobel, Philipp Nawrath und Philipp Horn nach insgesamt zu schwachen Schießleistungen mit Rang vier zufriedengeben. Während sich die Franzosen nach einem packenden Kampf erstmals zum Staffel-Olympiasieger krönten, waren die vier DSV-Skijäger anschließend wieder nur in der Rolle der Gratulanten.

«Ich habe hier vor zwei Tagen eine kleine Kampfansage gemacht und jetzt stehe ich hier enttäuscht. Das war unsere größte Chance», sagte Schlussläufer Philipp Horn: «Es hat nicht sollen sein. Wir wussten, es muss sehr, sehr viel passen, dass wir eine Chance zu haben.» Doch das geschah nicht. «Die Enttäuschung ist sehr groß», ergänzte der Thüringer Horn. 

Nach insgesamt zwölf Nachladern kamen die Deutschen mit einem Rückstand von 1:48,3 Minuten auf Frankreich ins Ziel. Klopp hatte am Schießstand mitgefiebert, ehe er die Schlussrunde mit der Glocke einleitete. «Ich freue mich riesig darauf. Das ist meine erste Erfahrung bei Olympischen Winterspielen», sagte Klopp bei seiner Ankunft in Antholz dem norwegischen Sender TV2. Einen deutschen Erfolg durfte er nicht bejubeln.

Deutscher Sportdirektor: «Sicher kein Debakel»

Silber sicherte sich Norwegen, Bronze ging an Schweden. «Zwölf Nachlader sind einfach viel zu viel verlorene Zeit», sagte Sportdirektor Felix Bitterling: «Es war jetzt kein super schlechtes Rennen und sicher auch kein Debakel.» Aber Vierter wolle man bei Olympia nicht werden. «Du willst aufs Podium, das haben wir einfach nicht geschafft», sagte Bitterling.

Bereits vor vier Jahren hatte es in Peking für Deutschland auf dem vierten Platz keine Staffelmedaille gegeben. 2018 hatte es zu Bronze gereicht, 2014 gab es im russischen Sotschi nach der späten Disqualifikation Russlands Gold. Schon in den vorangegangenen drei Einzelrennen hatte es für die Schützlinge von Bundestrainer Tobias Reiter in Antholz nicht für das Podest gereicht, lediglich zum Auftakt in der Mixed-Staffel gab es Bronze. Die letzte Chance in Südtirol bietet sich Nawrath und Co. am Freitag im Massenstart.

Vorentscheidung gegen Deutschland fällt früh

Die Vorentscheidung fiel beim sechsten Schießen. Nawrath war mit einem Rückstand von 32 Sekunden als Sechster auf die Jagd nach dem Spitzentrio mit Frankreich, Finnland und Schweden gegangen. Im wohl vorentscheidenden Moment zeigte der 33-Jährige im Stehendschießen aber Nerven: Weil die vor ihm liegenden Norweger, Schweden und Franzosen Druck machten, musste auch der Allgäuer Risiko nehmen: Aber es ging mit drei Extrapatronen daneben – die Spitze enteilte weiter. 

«Aber ich war im Zugzwang und habe versucht, die Lücke nach vorn zu schließen», sagte Nawrath. «Die letzte Runde kam der Mann mit dem Hammer und die drei Nachlader waren auch nicht förderlich.» Weil die Konkurrenz vorn nicht mehr patzte, konnte der ebenfalls nicht fehlerfrei schießende Schlussläufer Horn nichts mehr gegen die nächste Enttäuschung ausrichten. 

Starker Auftakt von Strelow

Dabei hatte Startläufer Strelow stark begonnen. Nach schnellen fünf Liegendtreffern ging er Führung und behielt diese auch bis zum zweiten Schießen. Doch stehend brauchte der 29-Jährige zwei Nachlader, sodass er in einer größeren Gruppe hinter dem führenden Norweger Martin Uldal in seine Schlussrunde ging. Er schickte Zobel in einer Fünfergruppe mit gut 15 Sekunden Rückstand in sein Rennen. «Der erste Nachlader war ärgerlich, aber wir hatten überragendes Material», sagte Strelow in der ARD. 

Und der 29-jährige Zobel, der am Saisonanfang nicht im Weltcupkader stand und sich dann mit guten Leistungen seine erste Olympia-Teilnahme sicherte, machte es wie Strelow und blieb fehlerfrei im ersten Anschlag. Aber dann kam das große Zittern.

Mit Mühe und Not vermied Zobel mit drei Nachladern in seinem zweiten Schießen gerade so die Strafrunde. «Auf so was bereitet einen niemand vor. Bei den Nachladern habe ich alles gedacht, was man nicht denken soll. Ich habe gekämpft und hatte Glück», sagte Zobel.

Frauen mit neuer Schlussläuferin am Mittwoch gefordert

Am Mittwoch (14.45 Uhr) kämpft die deutsche Frauenstaffel um die erhoffte nächste Medaille. Nach ihren gehäuften Problemen beim letzten Schießen ist Franziska Preuß dabei überraschend nicht mehr als Schlussläuferin im Einsatz. Die 31-Jährige läuft bereits an Position zwei an und will gemeinsam mit Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz und der neuen Schlussläuferin Vanessa Voigt über 4 x 6 Kilometer überzeugen. In bislang drei Einzelrennen waren auch die Frauen leer ausgegangen.

Quelle: dpa

 

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