Australische Legende

Crikey! Wie der «Crocodile Hunter» unsterblich wurde

29. August 2026 , 07:50 Uhr

Er sprang auf Krokodile, begeisterte Millionen und starb durch einen Stachelrochen. 20 Jahre nach seinem Tod lebt Steve Irwins Erbe weiter - dank seiner Familie. Eine Spurensuche im Australia Zoo.

Ein Mann, ein Wort: «Crikey!» Der australische «Crocodile Hunter» Steve Irwin benutzte den Ausruf beim Anblick von Krokodilen, Schlangen, Spinnen und allem, was sonst noch Zähne, Gift oder sehr schlechte Laune hatte. Der Begriff, auf Deutsch etwa «Donnerwetter!», passte perfekt zu Irwins überschäumender Energie. Zwei Jahrzehnte nach seinem tragischen Tod mit nur 44 Jahren ist «Crikey!» noch immer so untrennbar mit Irwin verbunden wie sein Khaki-Hemd.

Auch wer den weltberühmten Australia Zoo der Irwin-Familie nahe Beerwah an der Sunshine Coast besucht, kommt an dem Wörtchen nicht vorbei: Es prangt in riesigen Lettern am Eingang, flankiert von lebensgroßen Porträts der blonden TV-Legende. Mehr Steve Irwin geht nicht.

Willkommen in der Welt eines Mannes, der Krokodilen so nah kam, dass sein Kopf beinahe in ihrem Maul verschwand – und der mit seinem Enthusiasmus Millionen Menschen für Wildtiere begeisterte. Schnell wird klar: Irwins Erbe lebt weiter – in seinem Zoo, riesigen Schutzgebieten und vor allem dank seiner Familie, die seine Mission fortführt und längst selbst international bekannt ist.

Tragischer Tod beim Schnorcheln

Steve Irwin starb am 4. September 2006 ebenso spektakulär, wie er gelebt hatte. Aber nicht etwa beim Kampf mit einem Krokodil, nicht durch einen Schlangenbiss oder eine seiner halsbrecherischen Aktionen. Ihm wurde ein Stachelrochen zum Verhängnis: Irwin drehte vor der Küste von Queensland für eine Dokumentation über Meerestiere. Beim Schnorcheln in flachem Wasser rammte ein Kurzschwanz-Stachelrochen seinen Stachel in seine Brust und verletzte dabei sein Herz.

Sein Tod passte irgendwie zu dem Leben, das er geführt hatte: immer nah am Tier, immer nah an der Gefahr. Schon als Kind begeisterte er sich für Reptilien. Mit sechs fing er seine erste Giftschlange, mit neun half er beim Einfangen von Problemkrokodilen. Als junger Mann verbrachte er Monate im abgelegenen Norden Australiens, fing Krokodile für ein staatliches Umsiedlungsprogramm und entwickelte Fang- und Managementmethoden, die bis heute eingesetzt werden.

Hochzeitsreise mit Problemkrokodil

Seine Eltern Bob und Lyn Irwin hatten 1970 in Beerwah einen kleinen Reptilienpark gegründet, damals weniger als einen Hektar groß. Steve übernahm 1991 die Leitung. Kurz darauf lernte er die Amerikanerin Terri Raines kennen, eine Tierliebhaberin aus Oregon. Sie heirateten 1992 – und verbrachten ihre Flitterwochen nicht am Strand, sondern damit, ein Problemkrokodil umzusiedeln. Dabei entstand das Filmmaterial für jene Dokumentation, aus der später «The Crocodile Hunter» wurde.

Die Serie machte Irwin zum globalen Superstar. Furchtlos rannte er durch Busch und Sumpf, sprang auf Krokodile, hielt Schlangen in die Kamera und rief «Crikey!», während die meisten Normalsterblichen schon beim Zuschauen nervös auf dem Sofa umherrutschten. Er war zugleich Entertainer, Tierschützer und Werbeträger für Australien. Seine Mission nannte er «Conservation Through Exciting Education» – Naturschutz durch aufregende Bildung.

Heute erstreckt sich das Gelände seines Australia Zoo über rund 280 Hektar. «Mehr als 500 Menschen arbeiten hier und zusätzlich noch 125 freiwillige Helfer», erzählt ein Busfahrer, der Besucher vom Bahnhof in Beerwah mit dem Gratis-Shuttle zum Tierpark bringt.

Berühmte Show im «Crocoseum»

An den weitläufigen Gehegen von Wombats, Kängurus, Tasmanischen Teufeln und ja, auch Krokodilen, tummeln sich Besucher aus aller Welt – auffallend viele kommen aus Deutschland. «Ich lerne hier heute so viel über die australische Tierwelt», schwärmt Daniela aus Nordrhein-Westfalen. «Ich dachte immer, Steve Irwin sei einfach nur dieser exzentrische Charakter gewesen, der Tiere liebte – aber er war viel mehr. Er hat seine Popularität vor allem als Plattform für seine Naturschutzarbeit genutzt.»

Dann geht es weiter ins «Crocoseum», Steve Irwins große Arena mit Platz für mehr als 5.000 Menschen. Keiner will die Show verpassen, die hier jeden Mittag stattfindet – mit Schlangen, bunten Regenbogenlori, die zum Sound von AC/DCs «Thunderstruck» durch das Amphitheater fliegen und – natürlich – einem Krokodil.

Zwei Ranger locken das Reptil todesmutig aus dem Wasser, es schnappt und reißt das Maul auf, ein Raunen geht durch die Ränge. Aber es geht auch um Aufklärung: So erklären die Tierpfleger, wie man sich in freier Wildbahn in der Nähe eines Krokodils richtig verhält. «Ich habe Steve Irwin damals noch selbst bei seinen Auftritten hier erlebt, das war unfassbar», erzählt Michelle aus dem Hunter Valley nördlich von Sydney.

Auf einer großen Leinwand erscheint Bindi, Irwins heute 28-jährige Tochter. «Wildtiere zu schützen, war die Mission unseres Vaters – und jetzt ist es unsere», sagt sie. Dann werden Szenen aus der «Crocodile-Hunter»-Serie gezeigt, Steve ist allgegenwärtig.

«Wenn wir die wilden Lebensräume unseres Planeten retten, retten wir am Ende auch uns selbst», hat er einmal gesagt. Und: «Wenn wir den Menschen etwas über Wildtiere beibringen können, werden sie berührt sein. (…) Und Menschen wollen Dinge retten, die sie lieben.»

«Crikey! It’s the Irwins»

Diesem Credo folgt seine Familie bis heute: Terri führte den Zoo nach seinem Tod weiter, Tochter Bindi und der heute 22-jährige Sohn Robert engagieren sich schon seit ihrer Kindheit im Natur- und Tierschutz. Gemeinsam mit ihrer Mutter waren sie die Stars der Reality-Serie «Crikey! It’s the Irwins», die von 2018 bis 2022 das Familienleben zwischen Krokodilen, Wildlife Hospital und Schutzprojekten zeigte.

Irwins Kinder haben aber auch andere Talente: Bindi gewann 2015 mit erst 17 Jahren die US-Version von «Dancing with the Stars». Zehn Jahre später holte auch ihr Bruder Robert dort die begehrte Tanz-Trophäe. Wichtiger ist beiden aber, das Vermächtnis des Vaters weiterzuführen.

Die Irwins leiten im Australia Zoo eines der größten Wildtierkrankenhäuser der Welt und in ganz Queensland mehrere Schutzgebiete – darunter für Koalas sowie die fast 134.000 Hektar große Steve Irwin Wildlife Reserve auf der Kap-York-Halbinsel im Norden. Hunderte Tierarten leben hier in Sicherheit, nachdem Terri erfolgreich gegen Pläne für Bauxitabbau gekämpft hat.

Krokodilfüttern mit Sohn

So groß die Verehrung für den «Crocodile Hunter» ist, ganz unumstritten war er nicht. Seine Nähe zu Wildtieren faszinierte – brachte ihm aber auch Kritik ein. Besonders ein Auftritt von 2004, als er seinen wenige Wochen alten Sohn Robert auf dem Arm hielt, während er ein Krokodil fütterte, löste große Empörung aus. Irwin selbst entschuldigte sich später für den Vorfall, betonte aber, er habe die Situation stets unter Kontrolle gehabt.

Für viele ist und bleibt der Crocodile Hunter aber eine Legende. Sogar die Straße zum Australia Zoo heißt seit seinem Tod Steve Irwin Way. Eine Landschnecke trägt den Namen Crikey steveirwini, eine Schildkrötenart heißt Elseya irwini, ein Asteroid wurde «57567 Crikey» getauft. Und 2018 bekam der Australier posthum sogar einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.

Quelle: dpa

 

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