Der rechte Politiker Flávio Bolsonaro ist in Brasilien von seiner Partei zum Präsidentschaftskandidaten gekürt worden. Der älteste Sohn des wegen eines versuchten Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilten Ex-Staatschefs Jair Bolsonaro wird bei den Wahlen im Oktober gegen den linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva antreten, der offiziell im August erneut als Kandidat gekürt werden soll.
Auf dem Parteitag des Partido Liberal (PL) in der Metropole São Paulo erhielt der 45-jährige Senator Bolsonaro die Unterstützung des ultraliberalen argentinischen Präsidenten Javier Milei, der auf der Bühne sang und sprang.
Der frisch nominierte Kandidat stellte sich als die Kontinuität des politischen Projekts seines Vaters dar, des «bedeutendsten Führers der Rechten», den Brasilien je gehabt habe. Flávio Bolsonaro schwang eine große Schere, um seine geplante Kürzung von Ausgaben zu symbolisieren.
Als einer der prominentesten Vertreter der politischen Rechten in Lateinamerika reiste Milei eigens nach Brasilien, um bei der Nominierung Bolsonaros dabei zu sein. In seiner Rede kritisierte Milei Lula und rief dazu auf, dem «sozialistischen Abschaum» in Brasilien und Lateinamerika ein Ende zu setzen.
Die Familie Bolsonaro unterhält enge politische Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump. Flávio verfügt laut Experten allerdings weder über dieselbe Popularität seines Vaters noch über die einheitliche Unterstützung des konservativen Lagers. Sogar mit Bolsonaros Ehefrau Michelle kam es zeitweise zu Spannungen.
Bei der Veranstaltung wurde ein mit KI erstelltes Video mit dem Bild und der Stimme von Jair Bolsonaro gezeigt, wie brasilianische Medien berichteten. Darin prangert ein KI-Bolsonaro seine «willkürliche» Inhaftierung an. «Ich bin aufgrund einer ungerechten und willkürlichen Entscheidung inhaftiert und zum Schweigen gebracht worden», sagt er. «Aber ich versichere Euch: Keine Haft wird das Gefühl der Hoffnung (der Brasilianer) dämpfen».
Bolsonaro ist im Hausarrest untersagt, bis zum Ende der Präsidentenwahl im Oktober Besuche mit politisch-wahlbezogenem Charakter zu empfangen oder politische Botschaften auch über Dritte zu verbreiten.
Laut der jüngsten Umfrage des Forschungsinstituts Datafolha liegt der linke Staatschef Lula (80) derzeit in der Wählergunst vorn. Lula ist seit 2023 wieder Präsident. Zuvor hatte er das Amt zwischen 2003 und 2011 inne. Er gehört der Arbeiterpartei PT an. Auch Kandidaten kleinerer Parteien haben die Absicht, sich an den Wahlen zu beteiligen.
Die Präsidentenwahl in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas findet am 4. Oktober statt. Wenn kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht, gibt es eine Stichwahl am 25. Oktober.
Quelle: dpa