Flughafen München

Bericht zum Beinahe-Flugunfall: Bremsen beim Start betätigt

29. September 2026 , 10:48 Uhr

Eine Vietnam-Airlines-Maschine schießt in München über die Startbahn hinaus und kann gerade noch abheben. Nun geben die zuständigen Fachleute einen Einblick in die Untersuchungen zu dem Vorfall.

Beim Beinahe-Unglück eines Vietnam-Airlines-Flugzeugs in München wurden einer Untersuchung zufolge beim Startvorgang die Bremsen betätigt. Das geht aus einem Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig hervor. Die mit fast 290 Menschen besetzte Boeing 787-9 war Mitte August am Münchner Flughafen über die Startbahn hinausgeschossen und konnte gerade noch abheben. Menschen wurden bei dem Vorfall nicht verletzt. 

Ob der Pilot während des Starts auf die Bremse trat oder ob es ein technischer Fehler war, ist der Untersuchung zufolge noch unklar. Das BFU stellte Teile der Bremsen sicher, um diese genauer zu untersuchen. 

In dem Zwischenbericht gehe es um eine reine Sachverhaltsdarstellung, erläuterte ein BFU-Sprecher. Eine Bewertung und Analyse der Unfallursache gebe es erst im Abschlussbericht, der voraussichtlich etwa ein Jahr nach dem Unfall vorliegen werde. Zuvor hatte der «Spiegel» über den BFU-Zwischenstand berichtet.

Schäden an Rumpf und Reifen

Dem Bericht der BFU zufolge hatte das Flugzeug am 15. August um 13.55 Uhr die Startfreigabe erhalten. Kurz darauf wurde der Startlauf aktiviert – und Sekunden danach die Bremspedale ausgelöst und permanent gehalten, wie der BFU-Sprecher sagte. Kurz vor dem Abheben erhöhte der Copilot den Triebwerksschub manuell. 

Die Folge war laut der BFU, dass das Flugzeug über die Startbahn hinausschoss, auf das Gras dahinter geriet und noch im letzten Moment abheben konnte. Heck und Fahrwerk kollidierten dabei mit 20 Lampen des Beleuchtungssystems an der Startbahn. Dabei wurde auch der Rumpf des Flugzeugs beschädigt. Nach der Landung wurden zudem Schäden an vier Reifen festgestellt. 

Flug nach Vorfall abgebrochen

Im Cockpit saßen dem Bericht zufolge vier Piloten. Einer von ihnen übernahm in der Luft von dem für den Start verantwortlichen Kollegen den Platz. Die Piloten entschieden dann, den Flug nach Vietnam abzubrechen. In Absprache mit der Flugsicherung wurden 62 Tonnen Kerosin abgelassen, weil das voll betankte Flugzeug zu schwer für die Landung gewesen wäre. 

Danach flog die Maschine zweimal mit ausgefahrenem Hauptfahrwerk am Flughafen vorbei, damit das Bodenpersonal eine Sichtprüfung vornehmen konnte. Schließlich erfolgte die Landung. Laut BFU kam es zu einer Rauchentwicklung am Hauptfahrwerk, ein Brand konnte aber nicht festgestellt werden.

Quelle: dpa

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