Fußball-Bundesliga

«Außerirdische» und «innerliche Konflikte» bei Rekord-Bayern

15. Januar 2026 , 12:00 Uhr

Besser als Beckenbauer, Müller, Matthäus, Kahn und Co.: Das aktuelle Bayern-Team setzt neue Maßstäbe, will aber mehr. Warum Trainer Kompany nach der besten Hinrunde überhaupt trotzdem hadert.

Dass dieser Rekord etwas Besonderes ist, wussten auch Vincent Kompany und Max Eberl direkt. Der Stolz über die erfolgreichste Hinserie, die jemals eine Mannschaft des FC Bayern – und damit ein Bundesligateam insgesamt – hingelegt hat, war mit allen Sinnen spürbar. In der ruhmreichen Historie des deutschen Rekordmeisters mit seinen 34 Meisterschaften gab es nie eine Mannschaft zuvor, die eine Hinrunde derart dominiert hat, wie das aktuelle Team von Trainer Kompany. 

«Ich habe jetzt einen innerlichen Konflikt mit meiner Mentalität, dass wir mitten in der Saison schon einen Rekord bejubeln. Das ist ja kein Titel», sagte der Belgier, jedoch wohl wissend, was sein Team da vollbracht hat. Mit 47 Punkten und plus 53 Toren knackten Harry Kane, Michael Olise und Co. durch das 3:1 (1:1) am Mittwoch beim 1. FC Köln die vormalige Bestmarke der Bayern unter Pep Guardiola aus der Saison 2013/2014 (47 Punkte und plus 35 Tore). 

Kompany mit großem Respekt

«Es ist unheimlich schwer, einen Rekord zu bejubeln in diesem Verein», sagte Kompany dann voller Ehrfurcht weiter. «Ich würde sogar einen Rekord im Ball-Hochhalten mitnehmen. Das ist so schwierig in diesem Verein.»

Keine Mannschaft der vergangenen Jahrzehnte mit Spielern wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Paul Breitner, Karl-Heinz Rummenigge, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Oliver Kahn, Bastian Schweinsteiger, Robert Lewandowski oder Thomas Müller schaffte das, was Serge Gnabry (45. Minute +1), Min-jae Kim (71.) und Lennart Karl (84.) mit ihren Toren in Müngersdorf nun vollendeten. 

«Wir geben schon was auf Rekorde. Bei Bayern München einen Rekord zu erzielen, das heißt, dass du etwas Außergewöhnliches erreicht hast», sagte Sportvorstand Eberl breit grinsend und mit leuchtenden Augen. «Wir haben eine herausragende Hinrunde gespielt. Außergewöhnlich, wir wollen aber mehr.» Bei aller Freude, bei allem Stolz, um die laut Eberl «wirklich großen Titel» spiele man im Frühjahr. «Und dafür bereiten wir gerade alles vor.»

Eberl: Große Titel werden jetzt vorbereitet

Dass diese Bayern Double- oder Triple-fähig sind, zeigten sie eindrucksvoll nach der kurzen Winterpause. Der 8:1-Lust-und-Laune-Gala gegen den überforderten VfL Wolfsburg folgte nun ein Sieg der Mentalität gegen giftige und top-motivierte Kölner, die 1:0 durch Linton Maina (41.) in Führung gegangen waren. «Das macht uns gerade aus: Wir können Fußball spielen und einen Gegner an die Wand spielen, aber wir können eben auch dagegen halten», sagte Eberl zufrieden. 

«Im Januar, auswärts in Köln – das ist kein Zuckerschlecken. Wenn du dann auch noch 1:0 zurückliegst, musst du dich reinbeißen, reinkämpfen. Wir haben uns das hier verdient», sagte Torhüter und Kapitän Manuel Neuer, der bei der Kölner Führung unglücklich ausgesehen hatte.

Noch mehr als am Mittwoch dürften die Super-Bayern zumindest auf dem Papier am Samstag gefordert werden, wenn es zum Rückrunden-Auftakt zum Tabellendritten RB Leipzig geht. Die Sachsen wurden zum Saisonauftakt mit 0:6 in München aber bereits regelgerecht verprügelt. Im Nachhinein war dies ein Vorgeschmack für die Liga auf die gesamte Bayern-Hinserie für die Geschichtsbücher.

Kwasniok staunt: Kane «wie ein Außerirdischer»

Am Ende dieser Hinrunde staunte auch der bekennende Bayern- und Kompany-Fan Lukas Kwasniok. Wie ein kleiner Junge mit offenem Mund schien der Kölner Coach fassungslos ob der Stärke des Rekordmeisters. «Das 1:1 machen jetzt nicht ganz so viele Spieler», sagte Kwasniok zum Zauber-Ausgleich von Gnabry, der den Ball aus spitzem Winkel und kürzester Distanz aus der Luft per Aufsetzer vorbei an FC-Keeper Marvin Schwäbe ins Kölner Tor bugsierte. 

Auch der Liga-Top-Torjäger Harry Kane, der erstmals seit Ende November in einem Bundesligaspiel wieder leer ausging, bekam ein Extra-Lob. «Wie so ein Außerirdischer», befand Kwasniok. Der Kapitän der englischen Nationalmannschaft sei nicht einfach nur Torjäger, «sondern vielleicht der beste Allrounder nicht nur in der Bundesliga, sondern den es europaweit zu bestaunen gibt», urteilte der Kölner Trainer.

Quelle: dpa

 

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