Neu im Kino

«Allegro Pastell»: Roman der Millennials jetzt im Kino

16. April 2026 , 07:00 Uhr

Zwischen lässigem Stil und emotionaler Distanz: Die cool-verlorene Stimmung in der Verfilmung von Leif Randts Roman «Allegro Pastell» trifft einen Zeitgeist, der sich kaum greifen lässt.

Als Leif Randt im März 2020 «Allegro Pastell» veröffentlicht, gilt der Roman schnell als Dokument einer Zeit, in der das Wort Corona-Pandemie noch keine Bedeutung hat. Quasi ein Text über den letzten richtigen Sommer. Die «Zeit» spricht damals von einem «der wichtigsten Bücher der deutschen Gegenwartsliteratur seit Christian Krachts „Faserland“». An diesem Donnerstag (16. April) kommt die Verfilmung in die Kinos.

«Allegro Pastell» ist die Geschichte des sehr schicken Mittdreißiger-Paares Jerome und Tanja, passend abgeklärt gespielt von Sylvaine Faligant und Jannis Niewöhner. Sie ist Autorin in Berlin-Neukölln, er Webdesigner in der Nähe von Frankfurt. Arbeiten sieht man beide nicht. 

Im ultraheißen Sommer 2018 führen sie eine zumeist digitale, eher lose Fernbeziehung über Messages, nur unterbrochen von gelegentlichen gegenseitigen Besuchen.

Zwischen ihnen scheint alles perfekt: die Dates, der Style, der Sex. Sie gehen auf Partys in hippen Wohnungen oder verbringen Abende im gleißenden Licht der Neuköllner Hasenheide. Alles ist der Ästhetik der Millennial-Generation unterworfen. Im Stil eines 90er-Jahre-Osteuropa-Films schwenkt die Kamera regelmäßig über Häuserfronten. Aus den Boxen tönt mal Mo-Dos «Eins, zwei, Polizei», mal Robyns «With Every Heartbeat».

Betroffen wird in quasi-therapeutischen Sprechblasen über die eigenen Gefühle geredet, über die tatsächliche Welt da draußen eher nicht. Irgendwann schläft Tanja mit dem Schwarm ihrer besten Freundin. Nach der Affäre ist sie «fasziniert vom eigenen Kontrollverlust».

Faligant mit zartem französischen Akzent

Faligant und Niewöhner spielen ihre desinteressierten Charaktere fein gelangweilt. Gekonnt schauen sie in den direkten Dialogen aneinander vorbei. Faligant verkörpert mit ihrem zarten französischen Akzent eine notwendige Entrücktheit. Ob zwischen Jerome und Tanja wirklich Zuneigung herrscht, muss gar nicht unbedingt klar werden. Es spielt keine Rolle.

Im Buch denken die Figuren häufig über sich selbst nach, erklären sich in regelmäßigen Mails ihre Beziehung (und deren Ende). Um diese für den Roman elementaren Messages in Bilder umzusetzen, greifen Regisseurin Anna Roller und Autor Randt, der auch das Drehbuch schrieb, häufig zur Stimme aus dem Off. Dieses etwas altbackene Stilmittel ist vielleicht das Banalste am Film.

Bei der Premiere auf der Berlinale sagte der 42 Jahre alte Randt: «Der Film hat mich irgendwie berührt.» Vielleicht liegt es daran, dass «Allegro Pastell» mit seiner emotionalen Distanz den Zeitgeist einer gerade noch vorhandenen Jugendlichkeit überaus ästhetisch transportiert.

Quelle: dpa

 

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