Statistik

65 und weiter im Job: Zahl der arbeitenden Senioren nimmt zu

16. April 2026 , 04:45 Uhr

Eigentlich könnte der Ruhestand beginnen, doch Hunderttausende sind trotzdem weiter berufstätig. Es sind viel mehr als noch vor fünf Jahren.

Die Zahl der Erwerbstätigen über 65 Jahren ist binnen fünf Jahren um rund 46 Prozent gestiegen und liegt nun bei rund 1,9 Millionen. Dies geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor, die das Bündnis Sahra Wagenknecht abgefragt hat. Auch im Alter über 70 und sogar über 75 gibt es demnach einen deutlichen Zuwachs bei den Erwerbstätigen.

Der Trend zeichnet sich seit Jahren ab. Ein Grund ist, dass das gesetzliche Rentenalter seit 2012 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben wird – 2025 lag es bei mindestens 66 Jahren und zwei Monaten. Früher in den Ruhestand kann man meist nur mit Abschlägen, also einer dauerhaft niedrigeren Rente. Auch deshalb arbeiten mehr Ältere.

«Leider finanziell notwendig»

Laut offizieller Statistik waren 2020 nur 1,28 Millionen Menschen über 65 als erwerbstätig registriert. Die Zahl wuchs seither stetig auf 1,88 Millionen 2025. Davon waren 653.000 in der Gruppe 70 plus – im Vergleich zu 469.000 im Jahr 2020. Rund 229.000 arbeiteten im vergangenen Jahr noch im Alter über 75 Jahren (2020: 175.000). 

Fachleute sehen diverse Gründe, warum Menschen im Rentenalter noch berufstätig sind. Dazu zählt neben persönlicher Motivation und Fachkräftemangel auch Wunsch oder Not, die Rente aufzubessern. BSW-Gründerin Wagenknecht meinte: «Der Job im Alter ist viel zu oft keine freie Entscheidung, sondern leider finanziell notwendig.»

Anteil vergleichsweise klein

Es sei zwar gut, dass Unternehmen auch auf die Kompetenzen Älterer zurückgriffen, sagte Wagenknecht. «Der Anstieg der Zahlen zeigt aber, dass Hunderttausende Rentner schlicht gezwungen sind, ihre schmalen Bezüge aufzubessern.» Sie empfahl abermals das Rentensystem in Österreich als Vorbild. Dort sind Zahlbeträge durchschnittlich deutlich höher, allerdings auch der Beitragssatz.

Zu beachten ist bei der Statistik, dass trotz der Zunahme der Anteil der älteren Berufstätigen vergleichsweise klein ist. Insgesamt gab es 2025 laut Statistik rund 18,4 Millionen Menschen über 65. Die Zahl aller Erwerbstätigen in Hauptwohnsitzhaushalten gibt das Bundesamt mit 42,5 Millionen an.

Quelle: dpa

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