Die Schlammlawine ist nach dem Dammbruch an der Mine Córrego do Feijão zu sehen., © Bruno Correia/Agencia Nitro/dpa/Archivbild

Zweite Klage gegen TÜV Süd wegen Dammbruchs verhandelt

Der TÜV Süd steht wegen des verheerenden Dammbruchs im brasilianischen Brumadinho mit mindestens 260 Toten nun zweimal in Deutschland vor Gericht. Das Landgericht München I verhandelte am Montag erstmals eine Klage von 183 Überlebenden und Hinterbliebenen, die insgesamt mehr als zwölf Millionen Euro von dem Prüfkonzern fordern, wie eine Gerichtssprecherin erklärte. Eine Tochtergesellschaft hatte ein halbes Jahr vor der Katastrophe das Rückhaltebecken einer Eisenerzmine des brasilianischen Bergbaukonzerns Vale geprüft und für sicher befunden.

Am Montag berichteten zwei Hinterbliebene emotional von den Ereignissen am 25. Januar 2019. Eine Schlammlawine ergoss sich damals über eine Landschaft im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Sie wälzte sich über Teile der Mine und benachbarte Siedlungen und riss Menschen und Tiere, Häuser und Gerätschaften mit. Mindestens 260 Menschen starben.

Bereits im Vorfeld der Verhandlung hatte die Vereinigung der Familien der Opfer (Avabrum) aus Brumadinho Vorwürfe erhoben. «Das Unternehmen Vale und der TÜV Süd waren vor den Risiken gewarnt worden, aber sie stellten den Profit über alles», sagte die Avabrum-Vorsitzende Alexandra Andrade einer Mitteilung zufolge.

Der TÜV Süd betonte dagegen auf Anfrage, keine rechtliche Verantwortung für den Dammbruch zu haben. Der Damm sei zum Zeitpunkt der Stabilitätserklärungen stabil gewesen. Die Ausstellung der Erklärungen sei rechtmäßig und in Einklang mit den brasilianischen Regelungen erfolgt.

In der ersten und mit mehr als 1000 Klägern deutlich größeren Klage gegen den TÜV Süd laufen derzeit schriftliche Verfahrensschritte. Insgesamt sind der Gerichtssprecherin zufolge rund 35 Klagen eingegangen. In vielen Fällen laufen noch Verfahren zur Prozesskostenhilfe. Ob es auch in den anderen Fällen zur Verhandlung kommen wird, ist noch unklar.

Im aktuellen Verfahren setzte das Gericht einen Termin zur Verkündung einer Entscheidung für den 30. Januar an. Das muss nicht zwingend ein Urteil sein. Davor haben beide Seiten noch drei Monate Zeit, um sich zu einzelnen Punkten weiter zu äußern.