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«Er hat sein Bestes gegeben»: Bischöfe zum Marx-Rückzug

München (dpa/lby) – Die einen bedauern, die anderen schweigen: Bayerns Bischöfe haben unterschiedlich auf den Rückzug des Münchner Kardinals Reinhard Marx von der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) reagiert. Allen Reaktionen gemeinsam ist die Überraschung, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Bistümern im Freistaat ergab. Doch während der neue Bischof von Augsburg, Bertram Meier, sein Bedauern ausspricht und sogar persönlich wird, gibt sich sein Kollege in Eichstätt eher reserviert – und aus Würzburg und Regensburg kommt nur Schweigen.

«Die Ankündigung von Kardinal Reinhard Marx, nicht mehr für eine zweite Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zur Verfügung zu stehen, hat mich sehr überrascht», sagte der jüngst zum Bischof ernannte Meier, der bis zu seiner Weihe offiziell noch Diözesanadministrator des Augsburger Bistums ist. «Ich bedaure den Rückzug von Kardinal Marx sehr und habe stets seine Schaffenskraft, seine zupackende Art und auch seine Geselligkeit bewundert, die ihn so menschlich macht.» Meier erinnerte an einen gemeinsamen Aufenthalt in Jerusalem, bei er sich auf der Terrasse des Pilger-Hotels mit Marx «herzlich austauschte». Marx‘ Amt habe Anstrengungen gekostet: «Den Dienst an der Einheit innerhalb der Bischofskonferenz zu leisten, war sicherlich auch kräftezehrend», sagte Meier.

«Er hat sein Bestes gegeben», sagte Erzbischof Ludwig Schick in Bamberg. «Kardinal Marx verdient großen Respekt für die sechs Jahre, in denen er die Deutsche Bischofskonferenz geleitet hat. Ich bin ihm dankbar für seinen Einsatz und spreche ihm meine Hochachtung aus.» Er habe aber vollstes Verständnis dafür, dass Marx keine zweite Amtszeit wolle: «Seine Amtszeit fiel in unruhige Zeiten der katholischen Kirche und forderte dem Vorsitzenden viel ab.»

Der Eichstätter Bischof Georg Maria Hanke zeigte sich auf Anfrage ebenfalls überrascht. Marx habe in seiner DBK-Amtszeit viel auf den Weg gebracht und engagiert kirchliche Herausforderungen und gesellschaftliche Themen aufgegriffen. «Bischof Hanke dankt Kardinal Marx für die Mühen die mit der Position des Vorsitzenden verbunden waren», hieß es in einer Stellungnahme des Bistums.

Der Würzburger Bischof Franz Jung und sein Regensburger Kollege, Rudolf Voderholzer wollten sich nach Angaben ihrer Sprecher explizit nicht zu der am Dienstag überraschend verkündeten Entscheidung von Marx äußern, im März nicht für eine zweite Amtszeit an der DBK-Spitze antreten zu wollen. Der Passauer Bischof Stefan Oster äußerte sich ebenfalls zunächst nicht. Nach Angaben einer Sprecherin war er im Flugzeug.

Herzlich wurde der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. «Mit Bedauern habe ich die Entscheidung von Kardinal Reinhard Marx zur Kenntnis genommen», teilte er in München mit. Mit Marx verbinde ihn nicht nur eine lange, vertrauensvolle Zusammenarbeit – «zwischen uns ist auch eine echte Freundschaft entstanden».

Marx ist als Erzbischof von München und Freising auch Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz, der Zusammenkunft der katholischen bayerischen Bischöfe. In dieser Funktion hatte er es dennoch nicht immer leicht, seine Kollegen hinter sich zu versammeln. In der Frage beispielsweise, ob evangelische Ehepartner von Katholiken die katholische Kommunion empfangen dürfen, bekam Marx seinerzeit nur Unterstützung von Jung aus Würzburg. Alle anderen Bischöfe im Freistaat (Meier war damals noch nicht im Amt) sprachen sich dagegen aus. In der Diskussion um den Reformprozess Synodaler Weg, den Marx maßgeblich geprägt hat, ging der Regensburger Voderholzer ganz offen in Opposition zu ihm und brachte gemeinsam mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki einen «alternativen Satzungsentwurf» ins Spiel.

Zu möglichen Nachfolgern an der DBK-Spitze wollte keiner der bayerischen Bischöfe etwas sagen. «Sein Nachfolger wird in Mainz gewählt», sagte der Bamberger Oberhirte Schick. «Spekulationen dazu sind fehl am Platz. Die Bischofskonferenz wählt nach Anrufung des Heiligen Geistes ohne Personaldebatte. So war es jedenfalls bisher.»