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Stadtreiniger in diesem Winter: Eher Besen als Schneeschippe

Würzburg/München (dpa/lby) – Ein Winter ohne viel Eis und Schnee – den Kommunen jenseits der Touristenhochburgen kommt das ganz gelegen. Denn so verbrauchen viele Städte und Gemeinden deutlich weniger Streusalz als im vergangenen Winter, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Auch Rollsplit war im Winter 2019/2020 bisher nur wenig gefragt. Die WinterSaison geht noch bis Ende März. Fuhrpark und Material müssen für den Fall der Fälle immer vorgehalten werden. «Fahrzeuge sind nicht ganz billig», hieß es etwa in Würzburg. Und auch das Personal ist weiter beschäftigt – wenn auch nicht mit nächtlichem Schneeräumen.

Bei Schnee und Glätte setzt der Winterdienst in Nürnberg auf die bewährten Mittel: Salz und Rollsplit. «Gurkenwasser lohnt sich vor allem für kleingefasste Gemeinden», sagte Ulrike Goeken-Haidl vom Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg. In dieser Saison habe der Winterdienst bisher nur an 14 Tagen ausrücken müssen, an 5 Tagen davon habe er Sole präventiv auf Straßen aufgebracht. Im vergangenen Winter kamen die Streufahrzeuge auf insgesamt 47 Einsatztage, in der Saison 2017/2018 auf 77.

Mit salzigem Gurkenwasser behandelt der Bauhof in Dingolfing Straßen bei Eisglätte. Der seit Anfang Januar laufende Praxistest bewährt sich nach Angaben der Projektbetreiber – wenngleich der Bedarf angesichts milder Temperaturen in diesem Winter noch nicht groß war. Für die Straßenmeisterei wird das Wasser zusätzlich mit Salz versetzt, um den für den Winterdienst notwendigen Solegehalt von 22 Prozent zu erreichen.

Ein milder Winter kommt den Stadtkassen zugute. Wenn der Winterdienst weniger Geld als eingeplant abrufe, könne dies für andere Zwecke verwendet werden, sagte Goeken-Haidl aus Nürnberg. Doch die Kosten könnten jetzt noch nicht abgeschätzt werden. «Wir wissen nicht, was der Winter noch bringt.»

Auch in Augsburg will man sich noch nicht festlegen: «Es fehlen zwar im Moment die Schneefälle, aber temperaturbedingt sind am Morgen immer wieder Glättekontrollen nötig», berichtete Umweltreferent Reiner Erben (Grüne). In den vergangenen Jahren habe es pro Winterperiode zwischen 56 und 89 Einsätze und Gesamtschneehöhen in der Augsburger Innenstadt von 20 bis 75 Zentimeter gegeben. Bisher seien es 20 Streueinsätze gewesen; im Hof der Straßenreinigung sei die Schneehöhe nicht über einen Zentimeter hinausgekommen.

Vielerorts müssen die Straßenreiniger sehr früh raus, wenn rutschige Straßen drohen: «So beginnen die Arbeiten bei Gefahr von Straßenglätte um 2.00 Uhr morgens, bei Bedarf auch früher», teilte das Baureferat Münchens mit. Wenn die Kräfte nicht gegen Schnee und Eis zu Felde ziehen, dann eben gegen Dreck. Die Mitarbeiter seien für den Winterdienst als auch für Straßenreinigung und -unterhaltsarbeiten zuständig. «Bei einem heftigen Wintereinbruch kann der Straßenunterhalt auf externe Kräfte zugreifen», sagte eine Sprecherin.

«Split ist so gut wie gar nicht verwendet worden», sagte ein Sprecher des Bayerischen Gemeindetags. «Wir gehen davon aus, dass die Lager alle voll sind.»

Würzburgs Stadtsprecher Christian Weiß: «Das nicht verbrauchte Salz wird in Salzhallen gelagert und für die zukünftigen Einsätze verwendet.» In dieser Saison habe die Mainstadt etwa 250 Tonnen Salz verbraucht, rund 2700 Tonnen seien vorrätig. Ähnliches melden andere Städte wie Regensburg.

Geld sei sowieso eher beim Personal zu sparen, sagte Weiß: «Winterdienstpersonal rekrutiert sich auch aus unseren Stadtreinigern. Da sind Zusatzschichten zu fahren.» Nachts raus zum Straßenräumen, danach regulärer Dienst: Einsatzbereitschaft und Überstunden kosteten immens. Wie viel genau Würzburg heuer spare, sei schwer abzuschätzen. «Es kann durchaus noch etwas auf uns zukommen.»