Sparkassen bieten wieder Zinsen: Inflation belastet Sparer

Wegen der hohen Inflation stehen Sparer trotz neuerdings wieder positiver Zinsen noch schlechter da als in den vergangenen Jahren. Das sagte Bayerns Sparkassenpräsident Ulrich Reuter bei der Halbjahresbilanz in München. «Nullzins und ein bis zwei Prozent Inflation waren für die Kunden sogar vorteilhafter als acht Prozent Inflation und ein Prozent Zinsen.» Das sei ein «deutlich härteres Los» gerade für die Kleinsparer.

Reuter warnte, dass die Inflation vielen Menschen die Möglichkeit nehme, überhaupt Geld zu sparen und finanziell vorzusorgen. «Mit länger andauernder hoher oder sogar noch weiter steigender Inflation wird auch die Zahl derjenigen, die überhaupt noch sparfähig sind, deutlich abnehmen. Der Einschlag wird erst noch kommen.»

Mittelfristig werde sich die Inflation auch auf die Altersvorsorge auswirken. «Wenn der Nullzins durch Nullsparen abgelöst wird, dann muss das auch den Staat und die Gesellschaft mit Sorge erfüllen.»

Was die eigene Geschäftslage betrifft, sind die 61 bayerischen Sparkassen zufrieden mit ihrem ersten Halbjahr, erwarten jedoch weniger gute Geschäfte in der zweiten Jahreshälfte. «Die Unsicherheit werden wir sicher in den nächsten Monaten spüren», sagte Verbands-Vizepräsident Roland Schmautz. Von Januar bis Ende Juni boomte vor allem das Kreditgeschäft, insbesondere Immobilienkredite. Die Sparkassen verliehen für den privaten Wohnungsbau 7,7 Milliarden Euro mehr als in der ersten Jahreshälfte 2021, ein Zuwachs um 8,5 Prozent.

Dieses sehr kräftige Wachstum erklärt sich nach Analyse des Sparkassenverbands dadurch, dass viele Kunden sich noch günstige Kreditzinsen sichern wollten. In Kombination mit den rasant steigenden Baukosten wird der Anstieg der Immobilienzinsen nach Worten Schmautz‘ aber dazu führen, dass weniger Menschen sich Haus oder eigene Wohnung leisten können. «Da ist so mancher Traum jetzt sicher nicht mehr realisierbar.»

Bereits ein Ende gefunden hat das in den ersten beiden Jahren sehr hohe Wachstum der Guthaben auf Girokonten und sonstiger Einlagen. Im ersten Halbjahr ging der Einlagenbestand um ein Prozent auf 192,6 Milliarden Euro zurück. 2020 und 2021 hatten die Bundesbürger bundesweit große Summen auf die Banken getragen, nach Analyse von Ökonomen bedingt durch fehlenden Gelegenheit zum Geldausgeben wegen Lockdowns und Reisebeschränkungen.