Palästinenser tragen Leichen, die bei einem tödlichen Brand ums Leben kamen., © Mohammed Talatene/dpa

Gaza trauert um Tote nach Brand in Wohnhaus

Eigentlich hätte es ein Abend des Glücks werden können. Doch es endete in einer Katastrophe. Bei einer Familienfeier im Gazastreifen ist am Donnerstagabend ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Stundenlang versuchten Einsatzkräfte, den Brand in den Griff zu bekommen. Doch die Rettung der Menschen blieb erfolglos.

Der Zivilschutz teilte am Donnerstagabend mit: Keiner der 21 Anwesenden überlebte. Unter den Toten seien auch mindestens sieben Kinder, berichtete der Direktor des Krankenhauses vor Ort, Salah Abu Laila, der Deutschen Presse-Agentur. Es ist eines der schlimmsten Brandunglücke in der krisengeschüttelten Küstenenklave seit Jahren.

Tausende Menschen versammelten sich am Freitag im Gazastreifen, um an einer Trauerprozession teilzunehmen. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie eine große Menschenmenge mit den Leichnamen durch die Straßen zog. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Palästinenserorganisation Hamas hatte zuvor zur Teilnahme an der Beerdigung aufgefordert. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erklärte einen Tag der Trauer – Flaggen wurden auf halbmast gesetzt.

Feuer griff auf den Rest des Hauses über

Das Feuer brach nach Angaben des Ministeriums für innere Sicherheit im oberen Stockwerk einer Wohnung im Flüchtlingslager Dschabalia aus und griff auf den Rest des Hauses über. Videos zeigten, wie sich Hunderte Menschen vor dem brennenden Gebäude versammelten, während die Einsatzkräfte versuchten, den Brand zu löschen.

Augenzeugen berichteten, sie hätten Schreie gehört, hätten den Eingeschlossenen jedoch nicht helfen können, da die Flammen zu stark gewesen seien. Zuvor sei in der Wohnung die Rückkehr eines Verwandten aus Ägypten gefeiert worden.

Die Brandursache werde aktuell ermittelt, teilte das Ministerium für innere Sicherheit in Gaza mit. Dazu sei ein spezielles Komitee beauftragt worden. In dem Gebäude sollen demnach große Mengen Treibstoff gelagert worden sein. Dies habe dazu geführt, dass sich das Feuer schnell ausbreiten konnte.

Dschabalia ist das größte der acht Flüchtlingslager im Gazastreifen. Es befindet sich im Norden nahe des gleichnamigen Dorfes. Nach dem ersten arabisch-israelischen Krieg im Jahr 1949 flüchteten rund 35.000 Palästinenser in das Lager. Heute leben dort mehr als 110.000 registrierte Flüchtlinge auf engstem Raum, teilweise unter sehr schlechten Bedingungen.

Insgesamt ist mehr als die Hälfte der 2,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner im Gazastreifen auf Hilfsgüter angewiesen. Strom gibt es nur wenige Stunden am Tag. Viele Menschen behelfen sich mit Generatoren, um stundenweise Strom zu erzeugen. Nicht selten werden große Mengen Benzin oder Gas im Haus gelagert, um für den Winter vorzusorgen.

Die Hamas hatte in Gaza 2007 gewaltsam die Macht an sich gerissen. Israel verschärfte daraufhin eine Blockade des Gebiets, die von Ägypten mitgetragen wird.

Zuletzt kam es im März 2020 zu einem verheerenden Brand in einer Bäckerei im Flüchtlingslager Nuseirat im Gazastreifen. Bei der Explosion von Gasflaschen kamen damals 15 Menschen ums Leben.