In der Garderobe in einer Kindertagesstätte (Kita) hängen Kinderjacken., © Friso Gentsch/dpa

GEW Bayern fordert Erhalt von Sprach-Kitas

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert die Weiterführung der Sprach-Kitas in Bayern. Eigentlich sollte das Bundesprogramm Ende dieses Jahres auslaufen, jedoch kündigte das Bundesfamilienministerium jüngst eine Verlängerung der Finanzierung bis Sommer 2023 an. Der Freistaat müsse jetzt schnell handeln, die Strukturen erhalten und für die dauerhafte Finanzierung des Programms sorgen, teilte die GEW Bayern mit. Unterstützung bekam sie am Mittwoch von den Landtags-Grünen.

Die Gewerkschaft verlangt, dass das Land für die Fortführung des Projektes eigene Mittel verwendet und den Etat für Bayern aus dem Bundes-Kita-Qualitätsgesetz für weitere Qualitätsverbesserungen verwendet. Johannes Becher, Sprecher der Landtags-Grünen für frühkindliche Bildung, sagte: «Bayern braucht ein Landesprogramm für Sprach-Kitas!» Das Geld dafür wäre da, wenn die Staatsregierung die Bundesmittel aus dem Kita-Qualitätsgesetz zu 100 Prozent für Qualitätsentwicklung und damit in die Sprachförderung investieren würde.

Über das Programm «Sprach-Kitas» finanziert der Bund seit 2016 zusätzliches Personal an Kitas zur Sprachentwicklung. Mit der Übergangslösung bis Sommer 2023 ist die Erwartung an die Länder geknüpft, die Sprach-Kitas anschließend weiter zu finanzieren.

Bayerns Familienministerin Ulrike Scharf bezeichnete das am Mittwoch als «heimtückische Übergangslösung», mit der den Ländern Spielraum genommen werde, «um unsere Kinder und die so dringend benötigten Fachkräfte bestmöglich zu fördern». Das sei «Ausdruck einer völlig heuchlerischen Politik des Bundes», sagte die CSU-Politikerin in München. Die Länder seien sich einig, dass der Bund die Sprach-Kitas für die nächsten beiden Jahre finanzieren müsse.

Vier andere Bundesländer hätten die Weiterführung der Sprach-Kitas auf Länderebene aber bereits beschlossen, so die GEW. In Bayern dagegen wüssten mehr als 800 zusätzliche Fachkräfte nicht, ob sie ab dem 1. Januar 2023 noch beschäftigt werden. «Es kann nicht sein, dass die Verantwortung für Bildung wie eine heiße Kartoffel zwischen dem Bund und den Ländern hin und her geworfen wird und die Leidtragenden die Kinder, Eltern und Beschäftigten sind», sagte Alfons Kunze, Vorstandsmitglied bei der GEW München.

Becher forderte ebenfalls eine schnelle Lösung im Sinne der Fachkräfte sowie der Kinder, die von der Sprachförderung besonders profitieren. «Bayern muss die Blockadehaltung endlich aufgeben!»

Der IQB-Bildungstrend habe Bayern bescheinigt, dass 14,1 Prozent der Viertklässler die Mindeststandards beim Lesen nicht erreichten und 13,4 Prozent beim Zuhören, ergänzte Hilger Uhlenbrock, Sprecher der Fachgruppe Sozialpädagogische Berufe des Landesverbands der GEW. Es sei nicht nachvollziehbar, dass Bayern die notwendigen Mittel zur Fortführung des Programms nicht in die Hand nehme.