Deutschlands Trainer Hansi Flick hat der Nationalelf einen freien Abend in Budapest gegeben., © Federico Gambarini/dpa

Flick: «Wir haben uns wesentlich mehr vorgestellt»

Fragen an Bundestrainer Hansi Flick nach dem 1:1 der Fußball-Nationalmannschaft am Samstagabend in der Nations League in Budapest gegen Ungarn.

Sie haben vor dem Spiel 100 Prozent Leistungsbereitschaft von den Spielern gefordert. Haben Sie diese gesehen?

Hansi Flick: Erstmal muss man sagen, dass Ungarn es gut gemacht hat. Ich habe auch gesagt, dass es nach so einem Spiel wie gegen England der härteste Gegner ist, den man sich vorstellen kann. Es war eine tolle Stimmung, eine tolle Atmosphäre. Aber leider haben wir nicht ganz das umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben einfach ohne Überzeugung aufgebaut, waren zu schleppend im Spielaufbau. Wir haben es dem Gegner relativ einfach gemacht, kompakt zu stehen. Und klar muss man auch sagen, dass wir in der Defensive schon das Eine oder Andere zugelassen haben, was einfach nicht sein darf. Aber ich muss auch sagen, dass wir auf dem Weg einer Entwicklung sind. Ich denke, die Mannschaft wird aus diesem Spiel sehr, sehr viel lernen. Das ist für mich das Positive. Alles andere werden wir wieder genau analysieren und dann versuchen, am Dienstag gegen Italien zu Hause einen Sieg einzufahren. Das wird auch nicht einfach. Aber trotzdem erwarten wir von der Mannschaft, dass sie da alles reinlegt und sich dann mit einem Sieg in den Urlaub verabschiedet.

Wie sieht die Planung für Sonntag aus?

Flick: Wir werden uns regenerieren, aber auch ein Ersatzspielertraining machen, ganz normal. Wir bereiten uns auf dieses Spiel gegen Italien auch sehr gewissenhaft und seriös vor. Ich denke schon, dass wir der Mannschaft einen freien Abend geben. Freier Abend heißt dann immer, dass die Mannschaft gemeinsam essen geht und dann zu einer gewissen Zeit auch wieder im Hotel ist.

Würden Sie zustimmen, dass Manuel Neuer leistungsmäßig über den anderen Spielern steht? Kann das den Feldspielern etwas mitgeben, dass sie sich am Torwart orientieren?

Flick: Es ist meistens so, wenn ein Torwart herausragend ist, dann stimmt ein bisschen was im Spiel nicht. Ich habe es schon oft betont, Manu ist ein absoluter Weltklasse-Torhüter, und er hat uns heute einfach auch diesen Punkt in Budapest gerettet, festgehalten. Es war nicht alles gut. Wenn man so möchte, eine der wenigen Optionen, die wir gut gemacht haben, war der Ball hinter die Abwehrkette. So haben wir auch das 1:1 gemacht. Wir hatten die eine oder andere Chance, wo am Ende etwas gefehlt hat. Wenn man sagen will, man hat kaum Chancen und dann so eine Klasse in der Mannschaft, muss man natürlich dann die große Chance, die wir hatten, zum 2:1 nutzen. Wo Jonas (Hofmann) noch einmal Timo Werner anspielen wollte. Es fehlt am Ende einfach diese Überzeugung, dann zu sagen, ich mache den Ball jetzt rein und gebe die Verantwortung nicht ab. Jonas hat für mich ein gutes Spiel gemacht, weil er auch immer wieder versucht hat anzusprinten, dass die Abwehr mitgenommen wird, er ist oftmals hinter die Abwehrkette gekommen. Er hat alles versucht und hat zu Recht das Tor gemacht.

Wie haben Sie Timo Werner gesehen?

Flick: Ich würde es unter dem laufen lassen, dass bei uns komplett in der Mannschaft die Überzeugung fehlt. Es ist schon so, dass er einen großen Aufwand hat und versucht, den Gegner unter Druck zu setzen. Dass er sich immer wieder anbietet. Aber wir haben einfach zu wenige Torchancen, das ist es letztendlich im Moment bei uns, dass uns da die Überzeugung fehlt, vielleicht auch einer den Mut fasst und aus der zweiten Reihe abzieht. Die richtigen Abschlüsse sind im Moment noch nicht zu sehen. Daran müssen wir arbeiten. Es ist einfach unser Thema.

Sie haben von Entwicklung gesprochen, das können viele Dinge sein im Fußball. Wo hat es konkrete Entwicklungen nach vorne gegeben? Und wo sind Sie hintendran?

Flick: Wenn man die Statistik nimmt – ich glaube nicht, dass wir viele Torabschlüsse haben. Das können wir wesentlich besser. Ich will hier keine Ausreden suchen – wir haben eine lange Saison hinter uns, das sieht man bei den großen Nationen, dass die Intensität manchmal fehlt, die Spritzigkeit fehlt, das Spiel mit Überzeugung anzugehen. Ich weiß nicht, ob das nur bei uns so ist. Wir haben jetzt nach dem Spiel gegen England einen Tag länger Pause gehabt. Wir haben uns wesentlich mehr vorgestellt, ohne Frage. Ich habe der Mannschaft aber auch gesagt, dass es kein einfacher Weg wird, sondern dass es auch Rückschläge gibt. Vom Ergebnis her und von der Art und Weise, wie wir das Spiel angegangen sind, war es für uns ein Rückschritt. Und trotzdem, wenn man auf die Tabelle schaut, ist nichts passiert. Das muss uns auch das Quäntchen Hoffnung, aber auch Mut geben, uns jetzt gegen Italien in Gladbach mit einem Dreier zu verabschieden. Das ist jetzt einfach unser Fokus, und da gucken wir, dass wir uns darauf vorbereiten.

Welche Bedeutung hat für Sie das Erreichen des Finalturniers der Nations League?

Flick: Es ist unser Anspruch und unser Ziel, dass wir es erreichen. Es ist in dieser Gruppe noch nichts entschieden, alle sind eng beieinander. Das muss uns klar sein, dass wir da einfach jetzt noch eine Schippe mehr drauflegen müssen – oder vielleicht auch zwei oder drei. Das werden wir auch versuchen, dass wir das aus der Mannschaft rauskitzeln können. Das Trainerteam hat auch ganz klar gesagt, dass unser Ziel ist, im Juni beim Final Four dabei zu sein. Weil das für die Mannschaft noch eine Chance ist, sich noch einmal weiterzuentwickeln für das große Turnier in Deutschland. Das wird schon auch guttun, wenn man sich dann mit den Topnationen messen kann.