Blaulichter leuchten auf dem Dach eines Polizeifahrzeugs., © Carsten Rehder/dpa/Symbolbild

Cyberbetrug-Netzwerk zerschlagen

Deutsche Behörden haben in einer konzertierten Aktion mit Ermittlern vor Ort in fünf osteuropäischen Ländern ein international tätiges kriminelles Netzwerk von Cyberbetrug zerschlagen. Den am 8. November durchgeführten Durchsuchungen von Callcentern, Privat- und Geschäftsräumen in Albanien, Bulgarien, Georgien, Nordmazedonien und der Ukraine gingen jahrelange Ermittlungen voraus, wie die Zentralstellen Cybercrime Bayern und Sachsen, die Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben Oberfranken, das Landeskriminalamt Sachsen und die Polizeidirektion Leipzig am Dienstag mitteilten. Fünf Verdächtige wurden festgenommen, mehr als 500 Computer, Handys und andere elektronische Geräte und Unterlagen gesichert sowie Vermögen in zweistelliger Millionenhöhe beschlagnahmt – von Konten, Bargeld, Bitcoin-Wallets und anderen Wertgegenständen.

Gegen das kriminelle Netzwerk, über das international auch unter dem Stichwort «Milton Group» berichtet wurde, wird den Angaben nach seit Jahren mit großem Aufwand ermittelt. Es gehe um gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche. Die Gruppierung soll seit 2016 mit sogenannten Cybertradings operiert haben. Dabei beraten laut den Behörden angebliche Finanzexperten potenzielle Opfer über vermeintlich lukrative Anlage- und Finanzprodukte meist in Kryptowährungen und verleiten so zur Geldanlage.

Dabei wird den Anlegern über verschiedenste Plattformen und Websites die Illusion eines Accounts aufrechterhalten. Zudem werden ihnen erfolgreiche Trades Gewinne vorgetäuscht, um weitere Investitionen zu generieren. Wird ein Anleger skeptisch oder wünscht Auszahlung, breche der Kontakt oft ab oder es werde Totalverlust des Investments suggeriert. Den Tätern konnten bisher Hunderte betrügerische Trading-Plattformen und dutzende Callcenter zugeordnet werden. Der verursachte Schaden sei «immens», allein in Deutschland wird von deutlich über 100 Millionen Euro ausgegangen – und weltweit von einem Schaden im Milliardenbereich.